| Zitat von Petschmidt
(…) SPON vom 31. 5. 2009 Die Kernaussage dieses Beitrags lautet: “Gefühle sind nicht machbar” und seien deshalb auch “nicht einklagbar”. Diese Aussage steht im krassen Gegensatz zu der von mir in diesem Forum vertretenen Philosophie (Beitrag 2), wonach jeder “seines Glückes Schmied”, also auch verantwortlich dafür sei, welche Bedeutung – und nur darum geht es doch wohl in dieser Diskussion?! – also welche Wertschätzung einem Gefühl vom Fühlenden selbst beigemessen wird. Dass Gefühle nicht machbar, also nicht herstellbar, beeinflussbar, manipulierbar, beherrschbar sein sollen, das widerspricht jeglicher Lebenserfahrung, ist also falsch. Wenn dem so wäre, dann könntemindestens die Hälfte aller Dienstleister und Produzenten, nämlich all die Anbieter von Dienstleistungen und Produkten, die der Herstellung und Aufrechterhaltung des Geilen, Schönen und Schaurigen beispielsweise dienen (sollen), ihren Laden dicht machen, und wir hätten eine Wirtschaftskrise, von der sich zumindest der Kapitalismus, der auch aus Scheiße noch Geld macht, mit Sicherheit nicht mehr erholen würde. Nein: „nichts ist so machbar wie Gefühle“, das spürt ja schon der geneigte Leser dieser Polemik bei sich selbst, der entweder zustimmend weiterliest oder sich wütend abwendet. Und wenn ich dieses eherne AIDA-Gesetz der Werbeindustrie nicht selbst auch kennen würde – Attention, Interest, Desire, Action – so würde ich natürlich all den Schmeichlern, Heuchlern oder Abzockern auf den Leim gehen, die bei anderen mit ihren Gefühlsversprechungen – “Kuschel-Rock”, “Wellness-Produkt”, “Hardcore-Porno” – deshalb landen können, weil die es (in der Schule, im Elternhaus, aus den Medien) nicht gelernt haben (konnten), sich selbst, genauer: seine sich in Spielarten der Geltungssucht äußernden (Minderwertigkeits)Gefühle zu beherrschen. “Nichts ist so machbar wie Gefühle” – auf dieser Wahrheit basiert nicht nur eine unersättliche, nichtsnutzige Unterhaltungsindustrie oder eine völlig überflüssig aufgeblasene Werbewirtschaft, auf Basis dieser absolut richtigen Erkenntnis findet auch zwischenmenschliche Kommunikation vom Kleinsten und Feinsten statt – “Tränen lügen nicht” – werden doch auf dieser Gefühls-Basis – eben mehr oder eben minder professionell – Beziehungen angeknüpft, Wo der Sitz der Gefühle ist, das muss den Biologen interessieren, doch unser Thema ist ein anderes, es kreist um die Beantwortung der Frage, ob der Zustand, der für einen Säugling typisch ist – seine ausschließliche, biologisch determinierte Bedürfnissteuerung – auch noch von einem Erwachsenen für sich geltend gemacht werden darf (Norm!), oder ob man ihn dafür nicht doch zur Verantwortung ziehen und sogar bestrafen darf / muss, wenn er beispielsweise besoffenen Kopps mit 110 Sachen im Glücksgefühl des von ihm höchstselbst erzeugten Geschwindigkeitsrauschs durch eine geschlossenen Ortschaft brettert und dabei nicht nur seine Gesundheit und sein Leben gefährdet?! Es bleibt also dabei: der Volksmund hat recht, wenn er behauptet,dass im Prinzip erst einmal “jeder seines (Un)Glückes Schmied ist” – von den Ausnahmen hier mal nicht zu reden, die es selbstverständlich auch bei dieser Regel zu bedenken gibt! Beitrag 2: Glück basiert auf Können und Können auf Wissen |
Nichts ist so machbar wie Gefühle
06 Samstag Jun 2009
Veröffentlicht in Beziehungsweise, Gefühle, Plappernde Kaste