Verfasst von: profiprofil | 2. Juli 2009

Eine andere Kampfkompetenz für Israel

Vom Opfermentalitäter zum Gestalter: Israels Change muss kommen


Segev  hat eigentlich alles gesagt, was man über Israel wissen müsste, weswegen ich empfehle, diesen Artikel auswendig zu lernen, denn besser, als er es formuliert hat, bringt das ebenfalls keiner! http://www.spiegel.de/politik/auslan…606920,00.html

Mein Kommentar bezieht sich auf seine zentrale, die wirklichen Ursachen für diesen Rechtstrend benennende These: „Dahinter steckt ein Wandel in der Mentalität der Israelis. Früher waren die Menschen solidarisch, sogar sozialistisch. Heute sind Konsum und Sicherheit die beherrschenden Themen.“

Wie aber ist es zu diesem „Wertewandel“ gekommen, der ja als Revolutionierung der Denkweisen von einer Arbeits- auf eine Konsumideologie bezeichnet werden kann?

Diese gemeingefährliche Revolution hervorragend beschrieben hat Andreas Zielcke in folgenden Sätzen: „Die ehemals dienende Bestimmung des Kapitalmarkts, die Realwirtschaft mit Liquidität und Investitionsmitteln zu versorgen, ist in den Hintergrund gedrängt zugunsten seines neuen, seines ultimativen Wachstumsmarktes – er selbst. In dem Maß, wie er sich von der Realwirtschaft gelöst hat, konnte er seine von aller Stofflichkeit des Geschäfts befreite Kreativität auf die eigenen Potenzen richten und so explosionsartig entfalten. 2006, auf dem Gipfel des Booms, fielen 40 Prozent aller Unternehmensgewinne in den USA auf Institute des Geldmarkts. So abgehoben, so unwirklich der Geldmarkt für die Realwirtschaft geworden war, so eifrig unterwarf diese sich seinem Diktat der Profitabilität.“ (In: SZ vom 6. 2. 2009)

Zerstörerisch für jedes Gemeinwesen ist das egoistische Profitstreben, und was man in Israel wie unter einem Brennglas betrachten kann, das ist der Zerfall eines mit Gewalt etablierten Staatswesens in seine Bestandteile von sich gegenseitig ruinös befehdenden Interessengrüppchen – exemplarisch dafür die niedrige 2 %-Klausel – das von den herrschenden Kreisen nur noch durch die (rassistische) Produktion von Feindbildern („Araber“, „Terroristen“, „Ultraorthodoxe“, „Verräter wie Rabin“ etc.) auf dialektische Art und Weise zusammengehalten werden kann. Durch deren kriegerische Politik soll die Unproduktivität weiter Kreise der israelischen Bevölkerung kaschiert werden, die in der Hauptsache hervorgerufen worden ist durch eben diese Militarisierung des nationalen Lebens, also durch die Hochrüstung und die langen Wehrpflichtzeiten von Männern und Frauen, die ja nicht nur eine staatlich subventionierte Arbeitslosigkeit (= Bevölkerungsverschuldung), sondern einen psychischen Destruktionsprozess darstellen. Lies:

„Das Land zerstört die Familie“, so betitelt Meike Fessmann ihre Rezension des Romans von David Grossman: „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ (München 2009), das erzählt von der Angst einer israelischen Mutter. (in: SZ vom 28. 8. 2009)

Dass Israel seit Jahrzehnten den Staatsbankrott hätte offenbaren müssen, ist bekannt, und von wem er kaschiert wird, ebenso. Daraus folgt: von den herrschenden Kreisen Israels ist kein Strategiewechsel zu gewärtigen, weil sie in Wirklichkeit längst nicht mehr Herr der Lage sind, sondern nur noch auf eine sehr gefährliche Art und Weise darum kämpfen, nicht vollends abzusaufen – und von ihr zu profitieren.

Die Sanierung / Zivilisierung Israels kann einzig und allein aus den USA kommen, und zwar durch einen Change / Politikwechsel, der die US-Administration (und Obama) zerreißen könnte, es sei denn, in der sogenannten amerikanischen Israel-Lobby gewönne eine Fraktion die Oberhand, die bewirken könnte, dass Israel sich von seiner religiös verbrämten rassistischen Opfermentalität als Abgrenzungsideologie gegenüber seiner Umwelt emanzipierte und endlich seine friedlichen Gestalterpotentiale entfaltete!

Hier jetzt noch ein Beitrag von Segev und ein Verriss aus der Ecke „Fight For Israel“;
dieser zuerst:

SPON vom 11. 2. 2009  18:42   #148 lussien Beitrag 16

Ein paar Wörter zum Interview mit Segev


Die Ulrike (Putz) kann es einfach nicht lassen, bis der letzte Vollidiot in Israel vollständig durchinterviewt wird.Dieser „Historiker“, Revisionist und Holocaust-Leugner Segev (als Jude ist ein solcher auch in Deutschland willkommen! Ich habe diesen komischen Kerl in den letzten Tagen bereits zig Mal im Fernsehen redend gesehen, im Gegensatz zu allen anderen) ist das beste Beispiel. Dank Medien glauben die Deutschen schon, dass diese hirnlosen Gestalten tatsächlich die geistliche (!) Elite in Israel sind und wissen gar nicht, dass alle diese Avneris, Segevs, Ozs und Zimmermanns von deutschen und europäischen großzügigen Almosen leben.Und was redet denn dieser Segev rum? Zitat: „Doch jetzt haben wir es mit der extremen Rechten zu tun. Das ist etwas ganz Neues und sehr alarmierend.“ Was ist denn so neu? Hat der Liebermann (übrigens mit einem Merez-Führer privat befreundet) nicht vor kurzem in einer Regierung mit Avoda, Olmert, Livni und davor mit Sharon gesessen? Was ist denn neu? Natürlich ist es hochkriminell, nun mit Netaniagu statt Olmert und Merez in der Regierung zu sitzen!Gratulation, Der Spiegel! Ein halber Tag nach den Wahlen gar keinen Artikel zum Thema und dann dieses vollkommen überflüssige und stumpfsinnige Interview, das ist in Ihrer Art!
Wenn man 100% Interviews mit Repräsentanten einer bedeutungslosen linksextremistischen Partei mit 2,5% Sitzen im Knesset führt, ist es schon selbst bezeichnend. Andere unangenehme Wahrheiten und andere Argumente will man einfach nicht anhören, nur eigene muffige Ansichten dem Leser aufzwingen, das ist dürftig, das ist kein Journalismus mehr, pure Propaganda, meine Damen und Herren..

Liebermans Erfolg ist ein Schock

Von Tom Segev 12. Februar 2009, 03:02 Uhr

Israel nach der Wahl: Wird eine rechtspopulistische Partei zum Rückgrat der Regierung?

Im Februar 2000 berief Israel seinen Botschafter aus Österreich ab, weil die Regierung dort von einer Koalition gebildet wurde, der eine am äußersten rechten Rand anzusiedelnde Partei angehörte, geführt von Jörg Haider. In einer offiziellen in Jerusalem veröffentlichten Erklärung sagte Israel, dass es angesichts des Holocaust dem Aufstieg rechter Parteien nicht untätig zusehen könne.

Neun Jahre später wurde eine am äußersten rechten Rand angesiedelte Partei, geführt von Avigdor Lieberman, die drittstärkste Kraft in Israel, mit 15 bis 16 Sitzen von 120 in der Knesset. Das sind 50 Prozent mehr als bei der vergangenen Wahl. Lieberman befürwortet neue Grenzen für Israel, die einen Großteil seiner fast eineinhalb Millionen arabischen Bürger ausgrenzen und unter palästinensische Kontrolle stellen würden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die nächste Regierungskoalition zu bilden, aber Lieberman könnte durchaus das Rückgrat einer von Likud-Chef Benjamin Netanjahu geführten Regierung werden.

Das ist eine alarmierende Entwicklung. Die israelische Demokratie war immer verletzlich, aber sie hat auch viele Belastungen ausgehalten; sie scheint nun härter getroffen als jemals zuvor.

Liebermans Erfolg kommt zu einem besonders heiklen Zeitpunkt der Beziehungen zwischen Israel und den USA, die doch angeblich auf gemeinsamen demokratischen Werten beruhen. Nun könnte sich erweisen, dass die Kluft zwischen Israel nach seinem jähen rassistischem Ausbruch und dem Amerika Obamas so tief ist, wie sie zwischen den beiden Ländern in den Fünfzigerjahren war, als Israel sich als sozialistisch definierte.

Rechtsextreme Parteien gibt es in vielen demokratischen Ländern, Israel eingeschlossen. In den Achtzigerjahren wurde der in Amerika geborene Rabbi Meir Kahane in die Knesset gewählt. Sein Erfolg beruhte auf einer brutalen antiarabischen Haltung. Aber Kahane war das einzige Knessetmitglied seiner Partei, das schnell geächtet wurde. Lieberman hat darauf geachtet, sich innerhalb der Grenzen der Legalität zu bewegen, aber seine Kampagne hat ebenfalls von Fremdenfeindlichkeit und Fanatismus profitiert. Für einige von uns ist sein Erfolg ein Schock.

Über Jahre schmeichelten wir uns selbst damit, dass wir als Juden ja immun gegenüber rassistischen Stimmungen seien. Über Jahre wollten wir sogar glauben, dass die anhaltende Unterdrückung der Palästinenser in der West Bank unser eigenes demokratisches System nicht beeinträchtigen würde. Wir sagten stolz zu uns selbst, dass wir nicht hassten; es war der Feind, der uns hasste. Nun ist der Hass auch für uns legitim geworden.

Die Gründe sind nicht schwer zu erkennen. Seit der Zeit von Kahane sind mehr als eine Million Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Israel eingewandert. Wie Lieberman, der 1978 kam, haben sie keine demokratischen Traditionen mitgebracht. Viele von ihnen, wenn auch nicht alle, unterstützen ihn. Auch andere Israelis tun das.

Die meisten Israelis unterstützen immer noch demokratische Parteien, aber der Großteil von ihnen ist heute pessimistischer und zynischer als jemals zuvor: Von einem Krieg zum nächsten haben die meisten von uns den Glauben an den Frieden verloren. Immer mehr Israelis haben kein Vertrauen in die Politik.

Bedauerlicherweise werden diese beiden Haltungen in mancher Hinsicht von der Wirklichkeit gestützt. Der sogenannte „Friedensprozess“ mit den Palästinensern erwies sich als eine diplomatische Erfindung. Der libanesische und palästinensische Terrorismus dauerte ununterbrochen an und führte in den vergangenen Jahren zu zwei Kriegen. Und auch Iran muss jetzt als eine beängstigende Gefahr angesehen werden.

Premierminister Ehud Olmert, der wegen Korruptionsvorwürfen abdanken musste, hat den israelischen Wählern keinen Grund gegeben, an das politische System zu glauben. Und nun gibt es auch noch wirtschaftliche Befürchtungen. Naturgemäß sehnen sich viele Israelis nach einem starken Mann.

All dies scheint dem altbekannten Aufkommen solcher Stimmungen auch in anderen Ländern zu entsprechen. Menschen, die Israel verehren und solche, die es verteufeln, könnten so eine lehrreiche Lektion lernen. Israelis sind nicht anders als Menschen in anderen demokratischen Ländern. Nicht besser und nicht schlechter. Die gute Nachricht ist, dass Österreich wahrscheinlich nicht seinen Botschafter aus Tel Aviv abberufen wird.



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