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Meine Prognose am 14 August 2009:

Die SPD wird auch den Bundestagswahlkampf 2009 nicht für sich entscheiden können,
weil ihr zur Realisierung dieses Ziels das Führungspersonal
mit der dafür
notwendigen KAMPFKOMPETENZ fehlt.

Diese These zu belegen fällt nicht schwer, werden wir doch tagtäglich in Kenntnis gesetzt von der strukturell bedingten Unfähigkeit “der Politik”, die in Deutschland wirklich Herrschenden zu etwas zu bewegen, was ihren Geschäftsinteressen nicht (zugleich auch) dienstbar gemacht werden könnte; das gegenwärtig hervorstechendste Beispiel ist der verständnisvolle Umgang mit den wirklich kriminellen  Verursachern der “Finanz- und Wirtschaftskrise”[1]: ich spreche hier von den staatlichen Garantien einer Absicherung ihrer Casino-Gewinne sowie der gesamtgesellschaftlichen Begleichung ihrer Spielschulden durch steuerfinanzierte Bad Banks: tolle Idee (Stoppok)!

Angesicht der auf diese Weise vom spekulativen Finanzkapital provozierten “Staatsverschuldung”, die ja momentan noch potenziert wird durch die – und das ist überhaupt der Knüller “unseres” Finanzsystemsden wirklichen Verursachern (Banken und Versicherungen) wiederum “geschuldeten” Kreditzinsen, die für die staatlicherseits aufgelegten “Konjunkturprogramme” und “Bankbürgschaften” aufgebracht werden “müssen”[2], pointierter gesagt: angesichts der daraus resultierenden Verhinderung einer sozialen Bildungs- und Sozialstaats-Politik ist es nunmehr absolut egal, wer im Bundestag, wer im Landtag oder wer in einem Stadtrat “regiert”, haben doch unsere „Volksvertreter“ ab 2010 ff. noch weniger zu bestellen, als je zuvor!

Ihr Job wird (auch) in den kommenden Jahren darin bestehen, für die veröffentlichte Meinung – je nachdem – die Lachnummer, den Hotzenplotz, den Dorfdepp, die Skandalnudel oder den Blitzableiter abzugeben, eine für den Abgeordneten frustrierende Angelegenheit, die man persönlich wohl noch am leichtesten erträgt, wenn man sich dafür dann wenigstens (wie ein Beamter) alimentieren lassen kann. Doch werfe – an dessen Stelle – der den ersten Stein, der anders  handeln würde!

Der sich immer brutaler „nach unten“ durchsetzende Egoismus der Großverdiener ist das systemkonforme Kind / Produkt eines (nicht vom Grundgesetz geschützten) Wirtschaftssystems, in dem politisch nichts dagegen unternommen wird, das obszöne Renditedenken insbesondere jener natürlichen und institutionellen Bezieher von leistungslosem Zinseinkommen im Beritt der oberen Zehntausend strukturell – also wirklich politisch – zu bändigen. Stattdessen wird in gekonnter Manier (s. o.) von der veröffentlichten Meinung über die „Gier“ der Manager schwadroniert und lamentiert, und ab und zu wird einer von ihnen als Bösewicht an einen massenmedialen Pranger gestellt.

Fazit: auch bei den Grünen “is nix mit steuern“, auch sie treiben dahin im Mahlstrom des Casino-Kapitalismus und halten daselbst Ausschau nach einer Planke, auf der sie ihre persönlichen Schäfchen ins Trockene bringen können. Genau so übrigens, wie die SPD-Führung, die – getreu dem Führerwort: „Opposition ist Mist“ – wieder einmal ihren historischen Auftrag vergeigt, der in 2009 in einer einzig erfolgversprechenden Kampfansage an die Herrschenden bestanden hätte, die da lautet:

Entmachtung aller Investmentbanken, Ratingagenturen etc.
durch eine (Steuer)Gesetzgebung,
die das
LEISTUNGSLOSE PROFITSTREBEN ALS WIRTSCHAFTSIDEAL
strukturell diskreditiert und negiert.

Dieser Primat der Politik im Bereich des raffenden Kapitals, das wäre die „sozialistische Politik“ des 21. Jahrhunderts , auf die alle Welt wartet [3], also auch – und nicht zuletzt -   jenes “Realwirtschaft” genannte, Nachhaltiges schaffende Kapital!

Nachtrag: Lafontaine im Deutschlandfunk  vom 22. Juni 2011 (sehr lesenswert)

Solange man den Bankensektor nicht an die Leine legt, solange man die nicht wirklich unter Kuratel stellt, ändert sich überhaupt nichts. Die Parlamente werden zu reinen Witzveranstaltungen.”

Damit – und nur mit diesem Ein-Punkt-Wahlprogamm – hätte die SPD den Bundestags-Wahlkampf 2009 führen müssen, um ihn erfolgreich bestehen zu können, denn einzig für dieses Gebot der Stunde gibt es bereits heute in diesem Land eine absolute Mehrheit!

Bericht der SZ vom Wahlparteitag der SPD:“Die marktradikale Ideologie, die uns in diese Krise geführt hat, kann doch nicht die Antwort darauf sein.” Es ist die Stelle, an der er (Steinmeier) den meisten Applaus erhält, ja geradezu Jubelstürme. (15. 6. 2009. Und was hören wir aus dem Munde des stellvertretenden Parteivorsitzenden Peer Steinbrück:) „Von vielen Bürgern wird die soziale Marktwirtschaft massiv in Frage gestellt. Das sind SYSTEMZWEIFEL.“ Und: “Politikwechsel als Überlebensfrage der Demokratie”.

Recht haben die beiden  – und erst recht Franz Müntefering [4], doch WARUM und

  • WOZU , so frage ich, greift die SPD-Führung diesen absolut berechtigtenSystemzweifel“ und die “Jubelstürme” ihrer  Mitgliedschaft nicht auf?!
  • WOZU propagiert sie nicht, KÄMPFT sie nicht für den Politikwechsel?! Weil sie immer noch meint, die mit dem CHANGE  verbundene Machtfrage ohne Mobilisierung der Wähler stellen und  und sozusagen klammheimlich bürokratisch meistern zu können?! Welch törichte Annahme wäre das!
  • WOZU also erfüllt die SPD nicht ihren Grundgesetz-Auftrag, der sie verpflichtet, “bei der politischen Willensbildung des Volkes mitzuwirken” -  und zwar in Richtung Verwirklichung des Art. 14 GG!
  • WOZU unternimmt sie nichts, was den Leitmedien der  veröffentlichten Meinung missfallen könnte?! Ihr fehlen doch nicht etwa Wortführer mit medialer und populärer Kampfkompetenz?
  • WOZU thematisiert die SPD ihre richtige “Systemkritik” [4] nicht als visionäre Kampfansage (!) an ein Wirtschaftssystem, das das raffende Kapital zur existentiellen Bedrohung für “Unternehmen und Arbeitsplätze und damit den Wohlstand generell” (Müntefering) werden lässt?!
  • WOZU spielt die SPD in diesem skandalisierenden Affenzirkus der persönlichen Anmache stattdessen den – ihr zugedachten (s. o.) -  Part mit?!

Hier nur ein kleines Beispiel für diese Art von lächerlichen “Wahlkrampf”-Spielchen: Müntefering verkündet in der BAMS, der Kanzlerin sei die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit “gleichgültig“, und er warf ihr  dann auch noch “Unverschämtheit” vor”. (SZ vom 18. 8. 2009) Ja, toll! Frau Merkel weiß doch zumindest, dass sie als Kanzlerin objektiv ohnmächtig und dementsprechen in punkto “Bekämpfung” (welch Wort, welch Anspruch?!) der Arbeitslosigkeit objektiv “hilflos” ist! So, wie es jeder andere Bundeskanzler vor ihr auch gewesen ist. Und  es -  bei diesem “Politikverständnis” – auch zukünftig sein wird! Ein Beispiel meiner “Kunst, wirklich denken zu können“? Obamas “Kampf” um die Etablierung einer GKV in den USA…..

WARUM /WOZU, so frage ich,  stellt die SPD sich nicht an die Spitze derer, die den wirklich Unverschämten – den Profiteuren des raffenden Kapitals nämlich – endgültig, d. h. ein- für allemal, Einhalt gebieten wollen (und müssen)?!

Langsam müsste es doch auch dem letzten “Seeheimer” in der SPD dämmern, dass ohne diesen wirklich politisch-ökonomischen Kraftakt der „Deutschlandplan“ ihres Repräsentanten Steinmeier das bleibt, was er momentan objektiv ist: ein subtanzloses, nicht erfüllbares Wahlversprechen, für das die SPD denn auch so derbe „abgestraft“ werden wird, dass ihrem Personal “leider keine andere Wahl als die Fortsetzung der Großen Koalition bleiben” wird  – oder aber der Abschied aus den leistungslos in Beschlag genommenen Spitzenpositionen.

Der WIDERSPRUCH – genauer: die Systemkrise der SPD – ist offensichtlich

Münteferings Analyse im “vorwärts” [4] ist das Beste, was ich seit langem (von ihm) gelesen habe, doch sein (sozialdemokratischer) Kardinal-Fehler besteht darin, diesen „Kampf“  nicht wirklich , nämlich zuhause / national „aufzunehmen“ – also hier und heute für die EU, für die USA  etc. vorbildlich zu wirken – sondern ihn auf den Sankt-Nimmerleinstag einer „internationalen“ Regelung zu verschieben, wohl wissend, dass es dazu mit dieser Art von G-20-Kabinetts-Politik (bei all den  politisch-ökonomischen Profiteuren, Opportunisten und Feiglingen) niemals kommen wird….!

Diesen Priestertrug kennt inzwischen aber auch der letzte Wähler, sagten doch schon die alten Lateiner: hic Rhodos, hic salta! - weshalb auch bei Franz Müntefering  die “sozialdemokratische Kampfkompetenz” erneut zur verachtenswürdigen Phrase und Farce gerinnt, sagt doch der moderne Wähler: verarschen kann ich mich auch selber!

Was aber wirklich gebraucht wird, das ist eine mutige Avantgarde, das sind “Männer und Frauen, die führen können”, die “wirklich denken, wirklich führen und wirklich kämpfen können “, wie ich Münteferings Wunschvorstellung konkretisieren möchte. Das allerdings setzte ein ProfiProfil voraus, über das die SPD-Führung nicht verfügt- und über das auch der sogenannte “Medienkanzler” Gerhard Schröder nur vordergründig, doch nicht wirklich verfügt hat; die Begründungen dieser Thesen finden sich bereits hier, in meinem Essay aus dem August 2005, prophetisch übergetitelt mit Typisch Schröder!” – oder: woran der Kanzler wirklich scheiterte!

Erschienen am 14. August 2009, einen Monat vor der Bundestagswahl

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Anmerkungen:

[1]Zocker verdrängen Krisen-Schock. Von Karsten Stumm

“Die Finanzmärkte haben die Krise abgeschüttelt. Einfach so. Als hätte es den Beinahe-Kollaps der Geldmärkte nie gegeben. Deshalb wird weitergemacht wie zuvor – und das überall: “Die Investoren sind wieder auf den schnellen Profit aus, ob auf dem Aktienmarkt oder dem für Unternehmensanleihen. Und an den Devisenmärkten gehen die gleichen Zinsgeschäfte wie vor der Krise über die Bühne”, sagt Martin Hüfner, Chefökonom des Geldanlagehauses Assenagon Asset Management. Seine Erklärung für das erstaunliche Comeback der Zocker: “Der Stachel sitzt nicht tief. In ein paar Monaten sind wir wieder auf dem alten Casino-Niveau.”

SPON vom 30. 8. 2009; Lies auch den Kommentar Nr. 8

[2]„Wie andere Investmentbanken profitiert die Deutsche Bank davon, dass sich die Kapitalmärkte erholen. Als Vermittler und Berater haben Investmentbanken für Staaten und Firmen Anleihen im Wert von mehreren hundert Milliarden Euro an den Markt gebracht. Zudem gehen einige Institute im Handel auf eigene Rechnung wieder höhere Risiken ein.“ (Krise spaltet die Finanzbranche. Von Martin Hesse. In SZ vom 7. 8. 2009); Lies auch den Kommentar Nr. 8

Am 3. 9. 2011 lese ich dazu folgende Glosse: “

“Das schönste an diesem Geschäft ist natürlich, wir wollen es nicht unerwähnt lassen: all das Geld was da benötigt wird, schenkt grundsätzlich die EZB den Banken für 0-1,5 Prozent Leitzins, damit die selbiges frisch geschöpftes Geld für die erwähnten 5% an die Staaten verleihen kann. Ihr fragt jetzt nach dem Sinn dieser Aktion? Warum die EZB den Staaten die Kohle nicht direkt zu 0,00 Prozent zur Verfügung stellt, wenn sie das Geld schon frisch erfindet? Dass geht nicht, weil die Banken dann keine Zinsen mehr bekämen und die reichen Leute, denen die Banken gehören, daran verarmen könnten. Sicher sind auch ein paar Sparer darunter und andere Anleger, aber Du und ich sind da nicht nennenswert vertreten. So etwas ist im Kapitalismus auch nicht wirklich vorgesehen. Wichtig ist nur, dass ihr für dieses erfundene Geld fleißig arbeitet damit die Geldberge weiterhin schön wachsen und gedeihen. Jetzt seht ihr auch wie wichtig die Banken sind und weshalb ohne die rein gar nichts läuft, denn wer will schon Landschaften ohne Geldberge haben, sähe dann ja aus wie Wüste.

Wie wird die Geschichte enden?”

Ja: wie wird sie wohl enden, bei diesem politischen Führungspersonal?!

[3] sogar der Papst: “Die Enzyklika Centesimus annus (Das hundertste Jahr) ist ein am 1. Mai 1991 veröffentlichtes päpstliches Lehrschreiben von Johannes Paul II. (…) Privateigentum an Produktionsmitteln sei “gerechtfertigt, wenn es einer nutzbringenden Arbeit dient”. Es werde hingegen rechtswidrig, wenn es dazu diene, einen Gewinn zu erzielen, der aus der unzulässigen Ausbeutung, aus der Spekulation und aus dem Zerbrechen der Solidarität in der Welt der Arbeit erwachse. Ein solches Eigentum besitze keinerlei Rechtfertigung.“ Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Centesimus_Annus

Und jetzt (29. 8. 2011), nach zwei (!) Jahren, auch einige Professoren: “Absage an das ‘leichte Geld’

In Lindau trafen sich die Gelehrten der Ökonomie. Sie stellten die Notenbanken in den Senkel

[4] F. Müntefering zum Thema “Kampfkompetenz“: „Wahlkampf ist immer ein Stück lebendige Demokratie. Es ist die Zeit der Information und der Zuspitzung, der Bilanz und vor allem des Blicks nach vorn. (…) An einem Punkt allerdings geht es nicht nur ums Besserwerden, sondern um eine ENTSCHIEDEN NEUE RICHTUNG: Die leistungslose Profitgier, die sich in vielen Finanzhochhäusern breit gemacht hat, ist verhängnisvoll. Ein Irrweg (der nicht nur in der Finanzwirtschaft gegangen worden ist). Mit dem Zusammenbruch an den Finanzmärkten ist ein Prinzip gescheitert. Die Krise der Finanzwelt ist zu einer Krise der Wirtschaft geworden, sie gefährdet Unternehmen und Arbeitsplätze und damit den Wohlstand generell. Wir erleben das Desaster einer unsozialen und undemokratischen Ideologie. Profit ist nicht mehr, was nach ehrlichem Wirtschaften übrig bleibt, sondern das Goldene Kalb, um das alles tanzen muss.

Nachhaltiges Wirtschaften statt maximaler Profit *

Wir sagen: Steueroasen müssen trockengelegt werden. Sittenwidrig niedrige und sittenwidrig hohe Löhne müssen verschwinden. Die Finanzmärkte müssen international geregelt und dem Primat der Politik untergeordnet werden. Die Sucht nach dem schnellen und maximalen Profit ist der Todfeind allen nachhaltigen Wirtschaftens. Wir nehmen den Kampf dagegen auf. Die Zukunftsfähigkeit einer menschlichen Gesellschaft weltweit und die Ideologie des hemmungslosen Kapitalismus sind inkompatibel.“