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Nicht die Marktwirtschaft,
sondern der (Finanz)Kapitalismus muss weg!


Ich erlaube mir einleitend drei Definitionen von Helmut Creutz (Aachen) zu zitieren:
1. “Kapital ist zinstragendes Eigentum”
2. “Kapitalist ist derjenige, der ein solches Eigentum besitzt und damit (genauer: durch Kreditvergabe, Warentermingeschäft und andere spekulative Methoden in Wirklichkeit)  Einkünfte per Ausbeutung der Arbeit anderer erzielt”
3. “Kapitalismus
ist ein Wirtschaftssystem, in dem die Bedienung des Kapitals Vorrang hat vor allen anderen Einkünften.“ Beleg: Die Politik des Krisenmanagement durch die “Verschuldungspolitik

“Kapital” ist also nicht nur das Resultat einer wertschöpfenden Kombination von Produktivkräften – hier spreche ich von schaffendem Kapital -, sondern eben auch – und in bedrohlich zunehmendem Maße – das Resultat abschöpfender Manipulation der diversen Arbeits-, Finanz-, Devisen- und Gütermärkte beispielsweise; die hier erzielbaren und erzielten “Einkünfte” stehen in keinem moralisch legitimierbaren Verhältnis mehr zur verausgabten Arbeitskraft der Profiteure dieser strukturellen Machtpositionen in Gestalt von Banken, Ratingagenturen, Hedgefonds, Versicherungsgesellschaften etc., so dass ich bei dieser raffenden Kapitalfraktion mit Fug und Recht von leistungslosem Einkommen sprechen kann!

Die Konsequenzen einer (Vor)Herrschaft dieses Kapitals - in meiner Terminologie des spekulativen Finanzkapitals, des raffenden Kapitals, der Geldvermögen -  hat Helmut Creutz so zusammengefasst: „Zu einer stabilen Wirtschaftsordnung werden wir nur dann kommen können, wenn die zinsbedingte Selbstalimentation der Geldvermögen“, wie das die Bundesbank bereits 1993 einmal bezeichnete, zum Stillstand kommt.” Ich schließe daraus: gelingt dies nicht, dann wird es keine “soziale Marktwirtschaft”, die auch mir als Ideal vorschwebt, geben können. Dieses Ideal zu erreichen “ist jedoch nur möglich, wenn der Zins, als Knappheitspreis und -gewinn des Geldes, den gleichen Marktmechanismen unterstellt wird, wie das bei den Knappheitsgewinnen auf den Gütermärkten der Fall ist: das heißt, die Renditen aus Geldvermögen müssen mit den Sättigungen in der Wirtschaft – genauso wie die Gewinne – marktgerecht gegen null absinken!“ (ders.) Für das raffende Kapital jedoch gibt es keinen Markt mehr, hat es sich doch in jahrzehntelanger Lobby-Arbeit jene Institutionen wie die  FED geschaffen, um sich das “benötigte” Geld nach “Bedarf” selber drucken zu können; daher “Selbstalimentation”!

Aus der richtigen Erkenntnis der Hauptursache aller Wirtschaftskrisen – die einen nennen es „Profitstreben“, die anderen „obszönes Renditedenken“ (Ackermann: 25 % Rendite aufs Eigenkapital) – muss man die richtigen Schlüsse ziehen: “Es geht also nicht um eine “Rettung des Kapitalismus”, sondern um dessen Unterordnung unter die Marktkräfte und damit um die Befreiung der Marktwirtschaft von einem Kapitalismus der Gierigen, mithin um die Befreiung der Marktwirtschaft vom raffenden Kapital, vom spekulativen Finanzkapital.

Ich erlaube mir hier abschließend noch weitere drei Gedanken in die notwendige Diskussion um die Zukunft unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems einzubringen, zugegeben in zugespitzter Form, aber nichtsdestotrotz denk- und merkwürdig:

  1. Natürlich hatte Marx recht, als er das kapitalistische Wirtschaften analysierte und das Gesetz von der fallenden Tendenz der Profitrate entdeckte, und er hat bereits 1848, im Kommunistischen Manifest, vorausgesagt, dass die Herrschaften den Versuch unternehmen würden, dieses Gesetz durch die „Globalisierungdes spekulativen Finanzsektors für sich nutzbar zu machen, getreu dem Motto: „Nach uns die Sintflut, wenn wir nur unsere Schäfchen ins Trockene gebracht haben!“
  2. Ich denke, mit Helmut Creutz überein zu stimmen, wenn ich seine These dahingehend präzisiere, dass es uns, den Nicht-Spekulanten, nicht um die Befreiung der Marktwirtschaft „vom Kapitalismus“ – wie es Marx noch für unerlässlich angesehen hat -  sondern um deren Befreiung vom „raffenden Kapital“, also vom spekulativen Finanzkapital, gehen muss!?
  3. Das Resultat dieser Befreiung muss der Forderung entsprechen, die Marx bereits 1872 in der Auswertung des Untergangs der Pariser Commune gewonnen hatte, der unabdingbaren Forderung nach „Verstaatlichung“ aller Geschäftsbanken vermittels  gesetzlicher Regulierungen und wirkmächtiger Kontrollen, die dem spekulativen Kapital den Boden unter den Füßen wegzieht. “

Fazit: wenn wir das raffende Kapital, das sich sein Einkommen leistungslos, – durch die Erfindung und Instrumentalisierung von Strukturen-  also  unabhängig von der Wertschöpfung der Realwirtschaft,  selbst “schöpfen” kann / darf, wenn wir diese Kapitalfraktion nicht ein- für allemal enteignen, dann wird sich die massive Enteignung, der wir Nicht-Spekulanten jetzt entgegengehen, immer und immer wiederholen!

Der für diesen “Gesellschaftsvertrag” vom raffenden Kapital vorgezeichnete Pfad lässt sich so skizzieren: Gewinnerzeug bei wenigen durch Verlusterzeugung bei allen übrigen, dadurch Zwang zum Abbau des Sozialstaats bei gleichzeitiger Anhebung der Steuern, dadurch Entsolidarisierung der Steuerzahler durch Steuerhinterziehung und Steuerflucht, dadurch Absinken der Lebensqualität durch ein egoistisches Verhalten, das vom raffenden Kapital schon immer vorgeführt worden ist: der Fisch stinkt vom Kopf her!

Dieses Modell wird in Afrika und in den beiden Amerikas bereits im großen Maßstab erprobt!

Erstveröffentlichung 11. 06. 2009