Nicht die Marktwirtschaft,
sondern der (Finanz)Kapitalismus muss weg!
Ich erlaube mir einleitend drei Definitionen von Helmut Creutz (Aachen) zu zitieren:
1. “Kapital ist zinstragendes Eigentum”
2. “Kapitalist ist derjenige, der ein solches Eigentum besitzt und damit (genauer: durch Kreditvergabe, Warentermingeschäft und andere spekulative Methoden in Wirklichkeit) Einkünfte per Ausbeutung der Arbeit anderer erzielt”
3. “Kapitalismus ist ein Wirtschaftssystem, in dem die Bedienung des Kapitals Vorrang hat vor allen anderen Einkünften.“ Beleg: Die Politik des Krisenmanagement durch die “Verschuldungspolitik“
“Kapital” ist also nicht nur das Resultat einer wertschöpfenden Kombination von Produktivkräften – hier spreche ich von schaffendem Kapital -, sondern eben auch – und in bedrohlich zunehmendem Maße – das Resultat abschöpfender Manipulation der diversen Arbeits-, Finanz-, Devisen- und Gütermärkte beispielsweise; die hier erzielbaren und erzielten “Einkünfte” stehen in keinem moralisch legitimierbaren Verhältnis mehr zur verausgabten Arbeitskraft der Profiteure dieser strukturellen Machtpositionen in Gestalt von Banken, Ratingagenturen, Hedgefonds, Versicherungsgesellschaften etc., so dass ich bei dieser raffenden Kapitalfraktion mit Fug und Recht von leistungslosem Einkommen sprechen kann!
Die Konsequenzen einer (Vor)Herrschaft dieses Kapitals - in meiner Terminologie des spekulativen Finanzkapitals, des raffenden Kapitals, der Geldvermögen - hat Helmut Creutz so zusammengefasst: „Zu einer stabilen Wirtschaftsordnung werden wir nur dann kommen können, wenn die zinsbedingte “Selbstalimentation der Geldvermögen“, wie das die Bundesbank bereits 1993 einmal bezeichnete, zum Stillstand kommt.” Ich schließe daraus: gelingt dies nicht, dann wird es keine “soziale Marktwirtschaft”, die auch mir als Ideal vorschwebt, geben können. Dieses Ideal zu erreichen “ist jedoch nur möglich, wenn der Zins, als Knappheitspreis und -gewinn des Geldes, den gleichen Marktmechanismen unterstellt wird, wie das bei den Knappheitsgewinnen auf den Gütermärkten der Fall ist: das heißt, die Renditen aus Geldvermögen müssen mit den Sättigungen in der Wirtschaft – genauso wie die Gewinne – marktgerecht gegen null absinken!“ (ders.) Für das raffende Kapital jedoch gibt es keinen Markt mehr, hat es sich doch in jahrzehntelanger Lobby-Arbeit jene Institutionen wie die FED geschaffen, um sich das “benötigte” Geld nach “Bedarf” selber drucken zu können; daher “Selbstalimentation”!
Aus der richtigen Erkenntnis der Hauptursache aller Wirtschaftskrisen – die einen nennen es „Profitstreben“, die anderen „obszönes Renditedenken“ (Ackermann: 25 % Rendite aufs Eigenkapital) – muss man die richtigen Schlüsse ziehen: “Es geht also nicht um eine “Rettung des Kapitalismus”, sondern um dessen Unterordnung unter die Marktkräfte und damit um die Befreiung der Marktwirtschaft von einem Kapitalismus der Gierigen, mithin um die Befreiung der Marktwirtschaft vom raffenden Kapital, vom spekulativen Finanzkapital.
Ich erlaube mir hier abschließend noch weitere drei Gedanken in die notwendige Diskussion um die Zukunft unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems einzubringen, zugegeben in zugespitzter Form, aber nichtsdestotrotz denk- und merkwürdig:
- Natürlich hatte Marx recht, als er das kapitalistische Wirtschaften analysierte und das Gesetz von der fallenden Tendenz der Profitrate entdeckte, und er hat bereits 1848, im Kommunistischen Manifest, vorausgesagt, dass die Herrschaften den Versuch unternehmen würden, dieses Gesetz durch die „Globalisierung“ des spekulativen Finanzsektors für sich nutzbar zu machen, getreu dem Motto: „Nach uns die Sintflut, wenn wir nur unsere Schäfchen ins Trockene gebracht haben!“
- Ich denke, mit Helmut Creutz überein zu stimmen, wenn ich seine These dahingehend präzisiere, dass es uns, den Nicht-Spekulanten, nicht um die Befreiung der Marktwirtschaft „vom Kapitalismus“ – wie es Marx noch für unerlässlich angesehen hat - sondern um deren Befreiung vom „raffenden Kapital“, also vom spekulativen Finanzkapital, gehen muss!?
- Das Resultat dieser Befreiung muss der Forderung entsprechen, die Marx bereits 1872 in der Auswertung des Untergangs der Pariser Commune gewonnen hatte, der unabdingbaren Forderung nach „Verstaatlichung“ aller Geschäftsbanken vermittels gesetzlicher Regulierungen und wirkmächtiger Kontrollen, die dem spekulativen Kapital den Boden unter den Füßen wegzieht. “
Fazit: wenn wir das raffende Kapital, das sich sein Einkommen leistungslos, – durch die Erfindung und Instrumentalisierung von Strukturen- also unabhängig von der Wertschöpfung der Realwirtschaft, selbst “schöpfen” kann / darf, wenn wir diese Kapitalfraktion nicht ein- für allemal enteignen, dann wird sich die massive Enteignung, der wir Nicht-Spekulanten jetzt entgegengehen, immer und immer wiederholen!
Der für diesen “Gesellschaftsvertrag” vom raffenden Kapital vorgezeichnete Pfad lässt sich so skizzieren: Gewinnerzeug bei wenigen durch Verlusterzeugung bei allen übrigen, dadurch Zwang zum Abbau des Sozialstaats bei gleichzeitiger Anhebung der Steuern, dadurch Entsolidarisierung der Steuerzahler durch Steuerhinterziehung und Steuerflucht, dadurch Absinken der Lebensqualität durch ein egoistisches Verhalten, das vom raffenden Kapital schon immer vorgeführt worden ist: der Fisch stinkt vom Kopf her!
Dieses Modell wird in Afrika und in den beiden Amerikas bereits im großen Maßstab erprobt!
Erstveröffentlichung 11. 06. 2009
Zufällig auf diese Seite gekommen, finde ich wesentliche Teile meiner Gedanken wieder: Nicht das Kapital muss bekämpft werden, sondern das raffende Kapital. Ich widerspreche aber, dass hierfür die Enteignung der Banken das rechte Mittel ist. Erstens ist dieser Schritt menschenrechtlich problematisch, denn letztlich gehören ja auch die Banken irgendwem. Zweitens – und das ist hie entscheidend – ist nicht das Kapital per se abzuschaffen und erst recht nicht die es haltenden Kapitalisten. Es muss schlicht einfach das Raffen untersagt werden – Zinsverbot, Verbot die Geldschöpfung durch Privatbanken etc. Wenn ein Metzger eine Wurst hat und sie zweimal verkauft, hat er sich mindestens einmal des Betruges schuldig gemacht. Niemand wird aber nach der Verstaatlichung der Metzgerei verlangen. Ebenso ist mit den Banken zu verfahren: Wenn die Bank 10 Mio besitzt und 20 Mio als Kredite herausreicht, hat dies illegal zu sein. Ändert man die entsprechenden Gesetze für die Zukunft, ex nunc, ab Veröffentlichung uím Gesetzblatt, fehlt es auch am enteignenden hoheitlchen Eingriff in Private Vermögen. Niemandes Rechte werden verletzt und dennoch gewinnen die Staaten auf einen Schlag die Hoheit über Wirtschaft zurück.
“Verstatlichung der Banken” ist so zu verstehen, wie in den Kommentaren zu Raffendes Kapital 2 beschrieben: http://profiprofil.wordpress.com/2009/06/20/raffendes-kapital-2/
Harald Werner hat einen denkwürdigen Beitrag zur Begründung meiner politischen Forderung vom 14. 8. 2009 geschrieben: http://www.haraldwerner.homepage.t-online.de/cms/index.php?id=190
„Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“
Von Frank Schirrmacher
FAZ vom 14. August 2011
Ein Jahrzehnt enthemmter Finanzmarktökonomie entpuppt sich als das erfolgreichste Resozialisierungsprogramm linker Gesellschaftskritik. So abgewirtschaftet sie schien, sie ist nicht nur wieder da, sie wird auch gebraucht. Die Krise der sogenannten bürgerlichen Politik, einer Politik, die das Wort Bürgertum so gekidnappt hat wie einst der Kommunismus den Proletarier, entwickelt sich zur Selbstbewusstseinskrise des politischen Konservatismus.
Realpolitik und Pragmatismus verdecken die gähnende Leere, und die Entschuldigung, Fehler machten ja auch die anderen, ist das Pfeifen im Walde. Aber es geht heute nicht allein um falsches oder richtiges politisches Handeln. Es geht darum, dass die Praxis dieser Politik wie in einem Echtzeitexperiment nicht nur belegt, dass die gegenwärtige „bürgerliche“ Politik falsch ist, sondern, viel erstaunlicher, dass die Annahmen ihrer größten Gegner richtig sind.
„Globalisierung bedeutet nur, dass Banken die Gewinne internationalen Erfolgs an sich reißen und die Verluste auf jeden Steuerzahler jeder Nation verteilen.”
„Die Stärke der Analyse der Linken“, so schreibt der erzkonservative Charles Moore im „Daily Telegraph“, „liegt darin, dass sie verstanden haben, wie die Mächtigen sich liberal-konservativer Sprache als Tarnumhang bedient haben, um sich ihre Vorteile zu sichern. ,Globalisierung‘ zum Beispiel sollte ursprünglich nichts anderes bedeuten als weltweiter freier Handel. Jetzt heißt es, dass Banken die Gewinne internationalen Erfolgs an sich reißen und die Verluste auf jeden Steuerzahler in jeder Nation verteilen. Die Banken kommen nur noch ,nach Hause‘, wenn sie kein Geld mehr haben. Dann geben unsere Regierungen ihnen neues.“
Das politische System dient nur den Reichen?
Es gibt Sätze, die sind falsch. Und es gibt Sätze, die sind richtig. Schlimm ist, wenn Sätze, die falsch waren, plötzlich richtig werden. Dann beginnt der Zweifel an der Rationalität des Ganzen. Dann beginnen die Zweifel, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang. Es ist historisch der Moment, wo alte Fahrensleute sich noch einmal zu Wort melden, um zu retten, was zu retten ist. Der liberale Katholik Erwin Teufel hat das mit einer hochdramatischen, aus zusammenbrechenden Glaubenssystemen überlieferten rhetorischen Figur getan: Er rede, weil er nicht mehr länger schweigen könne Erwin Teufel: „Ich schweige nicht länger“. Es ist der erste Akt.
Das komplette Drama der Selbstdesillusionierung des bürgerlichen Denkens spielt sich gerade in England ab. In einem der meistdiskutierten Kommentare der letzten Wochen schrieb dort Charles Moore: „Es hat mehr als dreißig Jahre gedauert, bis ich mir als Journalist diese Frage stelle, aber in dieser Woche spüre ich, dass ich sie stellen muss: Hat die Linke nicht am Ende recht?“ Moore hatte das vor den Unruhen geschrieben und ohne jede Vorahnung. Ehrlich gestanden: Wer könnte ihm widersprechen?
Das politische System dient nur den Reichen? Das ist so ein linker Satz, der immer falsch schien, in England vielleicht etwas weniger falsch als im Deutschland Ludwig Erhards. Ein falscher Satz, so Moore, der nun plötzlich ein richtiger ist. „Denn wenn die Banken, die sich um unser Geld kümmern sollen, uns das Geld wegnehmen, es verlieren und aufgrund staatlicher Garantien dafür nicht bestraft werden, passiert etwas Schlimmes. Es zeigt sich – wie die Linke immer behauptet hat –, dass ein System, das angetreten ist, das Vorankommen von vielen zu ermöglichen, sich zu einem System pervertiert hat, das die wenigen bereichert.“ So Moore. Er geht es alles durch: Murdoch, von dem er sagt, dass ihn die Linke schon durchschaute, als die Rechte Populismus noch für Demokratie hielt, die Kredit- und Finanzkrise, den Rechtsbruch europäischer Regierungschefs, den Primat des ökonomischen Diskurses und schließlich die Krise der Eurozone selbst. Ein linker Propagandist, so Moore, hätte eine Satire, wie Geld die Welt regiert, nicht besser erfinden können.
Eine Welt des Doppel-Standards
An dieser Stelle muss man sagen, wer Charles Moore ist. Nicht nur ein brillanter konservativer Publizist, sondern auch der offizielle Biograph Margaret Thatchers, eine Biographie übrigens, die erst nach ihrem Tode erscheinen darf. „Die Resonanz auf meinen Artikel ist gewaltig“, sagt er im Gespräch, „aber es gibt ein paar Missverständnisse. Manche Leute glauben, ich meinte, Labour habe recht. Davon rede ich nicht. Ich rede von linken Ideen und bürgerlichen Ideen.“
Es mag sein und wird auch sofort gesagt werden, dass die Lage in England eine andere ist. Und dennoch sind die Übereinstimmungen unübersehbar, die Erwin-Teufel-Debatte ist nur ein Indiz. Es war ja nicht so, dass der Neoliberalismus wie eine Gehirnwäsche über die Gesellschaft kam. Er bediente sich im imaginativen Depot des bürgerlichen Denkens: Freiheit, Autonomie, Selbstbestimmung bei gleichzeitiger Achtung von individuellen Werten, die Chance, zu werden, wer man werden will, bei gleichzeitiger Zähmung des Staates und seiner Allmacht. Und gleichzeitig lieferte ihm die CDU ihren größten Wert aus: die Legitimation durch die Erben Ludwig Erhards, das Versprechen, dass Globalisierung ein Evolutionsprodukt der sozialen Marktwirtschaft wird. Ludwig Erhard plus AIG plus Lehman plus bürgerliche Werte – das ist wahrhaft eine Killerapplikation gewesen.
Man muss hier nicht mehr aufzählen, was dann geschah, wer alles im Aufsichtsrat der Hypo Real Estate saß und was schließlich in der flehentlichen Bitte von Bankern um Verstaatlichung nicht endete. Entscheidend ist etwas anderes: Die CDU hat ihre an die Finanzmärkte ausgeliehenen immateriellen Werte, ihre Vorstellung vom Individuum und vom Glück des Einzelnen, niemals zurückgefordert. Sie hat nicht nur keine Verantwortung für pleitegehende Banken verlangt, sie hat sich noch nicht einmal über die Verhunzung und Zertrümmerung ihrer Ideale beklagt. Entstanden ist so eine Welt des Doppel-Standards, in der aus ökonomischen Problemen unweigerlich moralische Probleme werden. Darin liegt die Explosivität der gegenwärtigen Lage, und das unterscheidet sie von den Krisen der alten Republik. Die Atomisierung der FDP, die für den Irrweg bestraft wurde, ist rein funktionell. Niemand würde der existierenden liberalen Partei besondere moralische Kompetenz zusprechen, und sie hat es, ehrlicherweise, auch nie von sich behauptet. Der Preis der CDU ist weit mehr als ein Wahlergebnis. Es ist die Frage, ob sie ein bürgerlicher Agendasetter ist oder ob sie das Bürgertum als seinen Wirt nur noch parasitär besetzt, aussaugt und entkräftet.
Kein Wort, nichts, niemand
Das große Versprechen an individuellen Lebensmöglichkeiten hat sich in sein Gegenteil verkehrt. Es ist Moore, der hier spricht und der einst im Thatcherismus alter Prägung die größtmögliche Erfahrung gesellschaftlicher Perfektion erblickte: „Ihre Chancen für einen Job, für ein eigenes Haus, eine anständige Pension, einen guten Start für Ihre Kinder, werden immer kleiner. Es ist, als ob man in einem Raum lebt, der immer mehr schrumpft. Für Menschen, die nach 1940 geboren wurden, ist dies eine völlig neue Erfahrung. Wenn es noch länger so weiter geht, wird sie ziemlich schrecklich werden.“
Die CDU aber, belehnt mit einem autodidaktischen Ludwig-Erhard-Studium, sieht nicht, wer in diesen schrumpfenden Räumen sitzt: Lehrer und Hochschullehrer und Studenten, Polizisten, Ärzte, Krankenschwestern, gesellschaftliche Gruppen, die in ihrem Leben nicht auf Reichtum spekulierten, sondern in einer Gesellschaft leben wollen, wo eindeutige Standards für alle gelten, für Einzelne, für Unternehmen und für Staaten, Standards von Zuverlässigkeit, Loyalität, Kontrolle.
Angela Merkel war bisher nicht in der Lage, die moralischen Folgen der Krise in der Eurozone zu thematisieren. Das ist schlimm genug. Undenkbar, dass zu Zeiten Erhards nicht ein Selbstverständigungsprozess eingesetzt hätte. Dafür fehlt der Partei augenscheinlich das Personal. Denn die Macht dazu fehlt ihr keinesfalls. Über das Wort „Monster“ ist die politische Positionierung der Konservativen bis heute nicht hinausgekommen – und das las man früher und besser auf den „Nachdenkseiten“ des unverzichtbaren Albrecht Müller, einst Vordenker von Willy Brandt.
Ein Bundespräsident aus dem bürgerlichen Lager, von dem man sich ständig fragt, warum er unbedingt Bundespräsident werden wollte, schweigt zur größten Krise Europas, als glaube er selbst schon nicht mehr an die Rede, die er dann halten muss. Eine Ära bürgerlicher Politik sah die Deklassierung geistiger Arbeit, die schleichende Zerstörung der deutschen Universität, die ökonomische Unterhöhlung der Lehrberufe. Frau Schavan ist inexistent. Dass Gesundheit in einer alternden Gesellschaft nicht mehr das letzte Gut sein kann, weil sie nicht mehr finanzierbar sein wird – eine der großen Wertedebatten der Zukunft, die jede einzelne Familie betreffen wird, zu der man eine sich christlich nennende Partei gerne hören würde, ja hören muss –: kein Wort, nichts, niemand.
Schließlich: Der geradezu verantwortungslose Umgang mit dem demographischen Wandel – der endgültige Abschied von Ludwig Erhards aufstiegswilligen Mehrheiten – macht in seiner gespenstischen Abgebrühtheit einfach nur noch sprachlos. Ein Bürgertum, das seine Werte und Lebensvorstellungen von den „gierigen Wenigen“ (Moore) missbraucht sieht, muss in sich selbst die Fähigkeit zu bürgerlicher Gesellschaftskritik wiederfinden. Charles Moores Intervention zeigt, wie sie aussehen könnte.
LESERZUSCHRIFTEN
Lasst euch umarmen, Genossen!
Unfassbar: Der Biograf von Margaret Thatcher und der bekannteste FAZ-Herausgeber sagen: “Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat”
Wichtig auch die FAZ-Reihe “Die Zukunft des Kapitalismus” aus “bürgerlicher Sicht” im Jahre 2009!
Ebenso wichtig blogs.telegraph.co.uk/news/peteroborne/100100708/the-moral-decay-of-our-society-is-as-bad-at-the-top-as-the-bottom/
Weil’s so schön paßt: Mal wieder rausholen den Mann!
Florian Hauschild fragt:
Weghorn antwortet: http://profiprofil.wordpress.com/tag/antisemitismus/
Wir werden viele Puertas del Sol sehen
Von Carlos Fernández Liria[3]
Ich bin der Meinung, dass die gegenwärtige Krise Teil einer anderen, weiterreichenden Krise ist. Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Kapitalismus immer wieder nach Wegen gesucht, um die Sackgasse seines Wirtschaftssystems zu durchbrechen, ein System, das gezwungen ist zu wachsen und anzuhäufen – und dies auf einem begrenzten Planeten, auf dem sich Energieressourcen und Rohstoffe immer mehr erschöpfen. Der Kapitalismus kann seine Gewinne nicht mehr aufrechterhalten, ohne den Wirtschaftsprozess zu beschleunigen. Aus diesem Grund begann er in den 80er Jahren eine Revolution gegen die ärmsten Klassen des Planeten. Es war jene Zeit, wo der Staat sich von der Wohlfahrt zu verabschieden begann und der Mittelstand proletarisiert wurde. Danach ergriff das Finanzkapital die Flucht nach vorne, und es begann das, was Naomi Klein den Katastrophen-Kapitalismus nannte. Der Kapitalismus kann nicht mehr nur keinen Wohlfahrtsstaat mehr hinnehmen, sondern nicht einmal mehr eine Gesellschaft, die diesen Namen verdient. Er funktioniert besser unter den Bedingungen verbreiteter sozialer Verwüstungen, wie zum Beispiel im Irak. Was Galbraight die Revolution der Reichen gegen die Armen genannt hat, führt zu einem verwüsteten Planeten, und zwar sowohl in sozialer wie in ökologischer Hinsicht. Wir stehen an einem Abgrund, doch die einzige Lösung des Kapitalismus für die Probleme des Kapitalismus ist mehr Kapitalismus, das heißt, der Vorgang, der uns in eine nie dagewesene menschliche Katastrophe stürzen wird, beschleunigt sich noch. Es wird überdeutlich: Nach einer Million Jahren der Existenz und vierhundert Jahren Kapitalismus steht der Mensch an einem Punkt, wo er den Planeten zerstört. Der Kapitalismus dauerte kaum einen Augenblick, einen Lidschlag, und doch erweist er sich bereits als selbstmörderisch.
http://le-bohemien.net/2011/06/07/spanische-protestbewegung-movimiento-15-m/
Das „raffende Kapital“ ist ein Übergangsbegriff aus der Ära der Herausbildung des Finanzkapitals. Heute gibt es kein anderes mehr. Die Unterscheidung zwischen raffend und schaffend ist obsolet. Schon Marx polemisierte gegen die „Couponschneider“, damals noch vorwiegend französischer Provenienz. Über die ansonsten antisemitische Konnotation dieser Unterscheidung muss ich an dieser Stelle nicht reden. Da sie für die Theorie selber keine Bedeutung hat. Nur für deren historischen Bezüge und ideologischen Begleitumstände. Nur so viel: Das Kleinbürgertum ist auf diese Unterscheidung nach wie vor fixiert, da es so seine Rechtfertigung ableitet, soweit es sich nämlich als „schaffend“ definiert. Doch Kapitalismus überholt den Begriff der Arbeit, somit auch den des „Schaffens“, der „Leistung“. Die kapitalistische „Arbeit“, das kapitalistische „Schaffen“, reduziert sich auf die Bereitstellung von Kapital (und auf die Ausbeutung der Lohnarbeit in diesem Kontext). „Schaffend“ ist daher nur der Lohnarbeiter (bzw. der sich selbst noch ausbeutende „Kleinbürger“).
Viele Grüße
Herold Binsack
http://blog.herold-binsack.eu/
15. Oktober 2010 um 12:09 Uhr
@globalmarshall:
http://blog.zeit.de/herdentrieb/2010/10/14/danke-wir-konnen-nicht-klagen_2387/comment-page-4#comments
TERRORISMUS VOM FEINSTEN oder: DIE WIRKLICHEN FEINDE DER DEMOKRATIE
GEHT DOCH!!!
Der Minister, der Fidel Castro bewundert. Von Christoph Neidhart
(…) Kamei hat, ungewöhnlich für einen japanischen Politiker, stets eine eigene Meinung. Er bewundert die kubanische Revolution und bekämpft die Todesstrafe, doch er ist kein Linker im klassischen Sinne, sondern ein japanischer Nationalist. Beispielsweise beklagt er den Verlust der traditionellen Gemeinschaftlichkeit und des Stolzes der Japaner: Koizumi habe diese zerstört. Nach allen Anzeichen wird sich Kamei für eine scharfe Regulierung des Finanzsektors einsetzen – und damit dem weltweiten Trend nach der Krise folgen. (…)
(…) Interesse findet jetzt natürlich seine Haltung gegenüber der Finanzbranche. In Ostasien UNTERSCHEIDET MAN zwischen der Öffnung der Märkte der Industrie und des Handels und jener der Finanzwirtschaft.
Von der Deregulierung der Kapitalmärkte hält Kamei gar nichts. Er ist seit langem der schärfste Kritiker der marktliberalen Reformen, mit denen der früheren Premier Junichiro Koizumi das Land gründlich umkrempelte. Kamei warf Koizumi stets vor, er habe Japan amerikanische Strukturen übergestülpt. (…)“
Aus: SZ vom 22. 9. 2009
denk- und merkwürdig:
der Film “Money As Debt – Geld alsSchuld” –
http://video.google.com/videoplay?docid=6433985877267580603#