Stigmatisierung des politischen Gegners

Zitat von gaga007

„Münte ist ein Mann, der sich nicht entscheiden kann oder will: Er hat vor den Sympathisanten der SED-Nachfolgepartei innerhalb der SPD schon einmal kapituliert (…)“

Ich finde, die Bezeichnung der Partei Die Linke (DL) als „SED-Nachfolgepartei“ erfüllt den Tatbestand der Stigmatisierung zwecks Entwertung.

Man fragt sich: welchen Nutzen haben die Stigmatisierer von dieser Strategie, einem Menschen oder einer Partei so ein Kainsmal auf die Stirn oder ans Revers zu pappen? Das kennen wir doch noch irgendwoher?! Wie hieß noch gleich der Dicke, der diktiert hatte: „wer Jude ist, das bestimme ich!“.?

Den Nutzen von dieser Ausgrenzungsstrategie hat auch heutzutage einzig das sich selbst als solches etikettierende „bürgerliche Lager“, haben also jene Parteien, die nach 1949 neben unzähligen „Mitläufern“ auch zehntausende von wirklichen (Kriegs)Verbrechern als Mitglieder in ihre Reihen aufgenommen hatten, Parteien also, die dennoch deshalb niemand als das diskriminiert hat, was sie – die SPD übrigens eingeschlossen – personell gewesen waren: NSDAP-Nachfolgeparteien nämlich. Und ich finde diese Art  von  „Vergangenheitsbewältigung“ durch eine Umarmungs- und Integrationsstrategie – historisch gesehen – klug und weise!

Typisch ist, dass den Schaden der Ausgrenzungsstrategie  auch heute wieder die SPD hat: ihr laufen durch die selbst verschuldete Neugründung einer linken Partei einige der engagiertesten Mitglieder und durch die Wahlniederlagen  jetzt auch noch die Karrieristen davon, ohne  dass sie dadurch wenigstens den roten Diskriminierungsstern – „die SPD strebt auch auf Bundesebene eine rot-rote Koalition an!“ – den man ihr aufgrund ihrer politisch-strategischen Tölpelhaftigkeit seit 1990 ff. anpappen konnte, vom Revers bekommen würde!

Feigheit vor den Fürstenthronen der Pressezaren zahlt sicht nicht aus.

Wie formulierte es doch jüngst der neue Parteivorsitzende in seiner Münchner Bewerbungsrede so trefflich: die SPD brauche wieder (!) Männer und Frauen, „die führen (!) können“. Chronische Führungsschwäche jedoch ist der Geburtsfehler der Sozialdemokratie, den sie in ihrer gesamten 145-jährigen Geschichte auch nicht durch Lernprozesse aufzuheben vermocht hat. Ihr gebricht es – und das zeigt auch die Epoche Gerhard Schröder – wie eh und je an Menschen mit einer professionellen Führungs- und Kampfkompetenz. Leider.

Herrn Clements Austritt ist deshalb kein „Schlag für die SPD“, sondern das ist die SPD. Sie ist auch nicht der Arzt, nein: sie ist Pfleger Sozi am Krankenbett des Kapitalismus, darum bettelnd – „Opposition ist Mist!“ – dabei sein und „wenigsten“ die Drecksarbeit (Hartz IV, Rente ab 67, Mehrwertsteuererhöhung, Konservierung des historisch überholten Föderalismus, Erbschaftssteuerreform) für die Herren Chefärzte und Krankenhausbesitzer erledigen zu dürfen.

Wie sagte doch jüngst noch der Vorsitzende jener von Karrieristen (wie Clement) beherrschten SPD: „lieber heißes Herz und klare Kante als Hose voll!“ Bloß: „klare Kante geben“, das ist – im Unterschied zu „volle Hose“ – eine Qualifikation, das muss man, um es zu können, jetzt endlich einmal erlernen: http://www.kampfkompetenz.de !

Leserbrief zum Artikel „Bewusste Denunziation“

SZ vom 26. 01. 2009

Mein Gott, Dietmar (Bartsch): „Die Linke“, so lese ich, habe die „Kritik“ – gemeint ist: die „bewusste Denunziation“ des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering (SZ vom 26. 1. 2009), sie verfolge eine nationale soziale Politik – „scharf zurückgewiesen“.

Ja: warum denn das, frage ich Dich?! Die Müntefering-Feststellung trifft doch den Nagel auf den Kopf und ist – objektiv beurteilt – als Kompliment zu werten! Warum kommt da bei Euch keiner drauf: dafür kann man sich doch bedanken!

Was, bitte schön, ist denn das Gegenteil einer „nationalen“ sozialen Politik? Beteiligt sich beispielweise die Bundesregierung an Einlagensicherungsprogrammen für geneppte spanische, britische oder isländische Kleinsparer; oder subventioniert sie das marode Krankenversicherungssystem der USA?! Nichts davon tut sie, Dietmar, weil „soziale Politik“ immer und ausschließlich nationale Politik ist, gell, Herr Scholz! (Und hätte die SPD das bereits in der Weimarer Zeit geschnallt, so hätte sie den Nazis Wasser abgraben können!)

Anstatt also die Dialektik von Denunziationen zu begreifen und professionell damit umzugehen, gelangt Dein Betroffenheitsaufschrei an die Öffentlichkeit.

Eine souveräne Reaktion auf diesen in der Tat unverschämten Stigmatisierungsversuch der SPD-Führung – die DL jetzt nicht mehr nur als Nachfolgeorganisation der SED, sondern unterschwellig auch der NSDAP hinzustellen –  hätte in einer Bekräftigung und Bestätigung der Aussage von Franz Müntefering bestehen können! Oder in einer Gegenfrage, oder einem Verweis auf das Grundsatzprogramm der SPD! Und unbedingt in einer Offenlegung  der denunziatorischen Absichten des Parteivorsitzenden der SPD!

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