Marxismus-Kritik

work in progress: 23. September 2014

30. 08. 2005

In seinem Leitartikel „weder links noch neu“ beantwortet Helmut Herles die interessante Frage, ob „diese sich Linkspartei nennende PDS wirklich links“ sei, mit einer Meinungsäußerung des „früheren Bürgerrechtlers“ Konrad Weiß, der „diese Linkspartei“ als „reaktionär“ beurteilt. Die Ursache für die Existenz dieser „SED-Mutation“ sieht Herles in der Charakterstruktur machtgieriger und auf persönliche Bereicherung bedachter Anführer, die „eine Zeitlang Kreide“ fressen, um mit dieser „Kunst des Tarnens und Täuschens“ „links reden, aber rechts leben“ zu können.

Wenn Helmut Herles trefflich feststellt, dass die Linkspartei.PDS im „Meinungsbild überhaupt so stark werden konnte“, weil in den meinungsbildenden Kreisen „nach 1989 eine Auseinandersetzung ausblieb, was ´links´ und was ´rechts´, was ´Kapitalismus´, ´Sozialismus´ und ´Marxismus´ sind“ – dann ist es zu begrüßen, dass er mit seinem Leitartikel in Bonn diesen Prozess der Meinungsbildung angestoßen hat.

Zum Thema „Marxismus“: Es ist hier nicht der Platz für eine Begründung der These, dass Karl Marx für alle Zeiten zu den genialsten Denkern und damit auch zu den „größten Deutschen“ gehören wird, wohl aber der Platz, um denkende Menschen zu motivieren, einfach nur mal das „Kommunistische Manifest“ zu studieren und vielleicht auch diese Thesen zu diskutieren:

  • Karl Marx hat vor mehr als 150 Jahren – nur mit dem Instrument wirklichen Denkens (!) – das Phänomen vorhersagen und beschreiben können, welches wir heute „Globalisierung“ nennen, und zwar – hier spricht der moderne Bildungsverkäufer – mit einem Erkenntnisgehalt, der nicht mehr „getoppt“ werden kann!
  • Karl Marx hat als erster das Problem „der Entfremdung des Menschen in einer vornehmlich auf Gelderwerb gerichteten Welt“ (Herles) auf seine wirklichen Ursachen hin erforscht, und dabei Erkenntnisse gefunden, die sehr erhellend sind!

Marx ist nämlich wirklich an Wirklichkeitserkenntnis interessiert, weshalb er auch streng empirisch arbeitet. Und er hat eine vorbildliche Art, schwierigste Themen, wie z. B. „Selbstentfremdung“, verständlich darzustellen. Ein Beispiel: „So wie aber im Geld die Ware ihre letzte qualitative Bestimmtheit entäußert hat, so hat der Mensch die seinige, indem er zur Ware wird. Dazu aber wird er unmittelbar, wenn seine Arbeitskraft zu nichts anderem dienen kann als zum Verkauf.“

[Gut: ich verbessere / toppe Marx, wenn ich die von ihm verwandte biologische Kategorie (den Gattungsbegriff) „Mensch“ ersetze durch die psychologische Kategorie „Persönlichkeit“, um die es (ihm) in diesem Zitat in Wirklichkeit geht, kann sich doch nur – die den Menschen als Krone der Schöpfung kennzeichnende / charakterisierende – „Persönlichkeit“ (von sich selbst) entfremden. (mehr: S. 3)]

Wenn Helmut Herles fordert, dass beim Thema Selbstentfremdung „Karl Marx in einem humaneren Alltag widerlegt werden“ müsse, dann hätte er – dessen bin ich mir sicher – von Marx die volle Zustimmung erhalten, hatte dieser sich doch zum Ziel gesetzt, die „notwendigen“ gesellschaftlichen Verhältnisse für eine individuelle Selbstverwirklichung zu entdecken.

Marx dafür verantwortlich zu machen, dass sich Sozialrevolutionäre, Putschisten oder Clanchefs seiner Erkenntnisse nach ihrem Gusto bedienten, ist so was von daneben, wie es z. B. ein Verdikt wäre, Richard Wagners Werke deshalb nicht mehr aufzuführen, weil die Nazigrößen sich damit gedopt haben. Auch für Marx gilt: er ist, wie jeder andere Prophet, in seiner Zeit zu beurteilen! Zu verantworten hatte er als Intellektueller in der Politik einen markanten Beitrag zur Entstehung und Festigung der Gewerkschaftsbewegung und der Sozialdemokratie, nicht aber all das, was man ihm im 20. Jahrhundert angehängt hat. Oder soll ich Jesus Christus für die Gräueltaten seiner „Nachfolger“ verantwortlich machen….?!

Helmut Herles zitiert dankenswerter Weise Gräfin Dönhoff mit ihrer zugleich richtigen und falschen Feststellung: „Die Niederlage des Marxismus bedeutet nicht den Triumph des Kapitalismus“ – wobei ich hier anmerken möchte, dass es objektiv wohl „Kapitalismus“ und „Sozialismus“, nicht aber „den Marxismus“ gegeben hat und gibt, weshalb ich es auch misslich finde, wenn Lobbyisten ihren Verein als „christlich“, als „bürgerlich“ oder als „marxistisch“ verkaufen wollen und dadurch Denkansätze und Lebensstile, die grundsätzlich allen offen stehen müssen, für ihre Partialinteressen instrumentalisieren und diskreditieren.

Leserbrief zum Leitartikel von Helmut Herles im Bonner General Anzeiger vom 30. 08. 2005

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