Versagen der SPD-Führung

SPON vom 04. 10. 2008:

Die Einheit Deutschlands ist zwar politisch-rechtlich gelungen, doch ökonomisch und mental[1] so widersprüchlich, wie es nun mal den Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen politischen Ökonomie entspricht.

Meine Begründung: jeder Entscheidung für oder gegen die „Einheit“ der nationalen Lebensbedingungen übergeordnet ist in der Denke der herrschenden Kreise immer – also gesetzmäßig! – ihr kastenspezifisches Geschäftsinteresse, nämlich das: profitiert meine Kaste / Sippe / Seilschaft eher von dieser Einheit – oder aber eher von der Aufrechterhaltung und Festigung ihres Gegenteils! Nicht nur die Ökonomie, sondern auch „Politik“ ist ein Geschäft, und zwar gesetzmäßiger Weise, weswegen ich hieran auch keine Kritik übe. Diese bezieht sich vielmehr auf diejenigen westdeutschen Politikern, die sich mit ihrem Geschäftsinteresse durchgesetzt haben, sowie auf jene, die sich haben abzocken und an die Wand drücken lassen: ich spreche von der „Führung“ der SPD, die sich vom Strategen Kohl 1989 ff. nach allen Regeln der machiavellistischen Staatskunst – Chapeau! – hat ausmanövrieren und wieder eine ihrer schwer wiegenden Niederlagen in der Geschichte (1919, 1933[2], 1953) hat servieren lassen, an der sie heute noch krankt.

Wovon ich spreche? Ich spreche von dieser Antikommunismus-Masche – man erinnere sich der Rote-Socken-Kampagne von Pastor Hintze (http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Socken ) – auf die die SPD auch 1990 ff. hereingefallen ist.

Anstatt zu begreifen[3], und – wie Konrad Adenauer es für die Nazi-Schrittmacher und –Mitmacher getan hatte !! – es durchzukämpfen[4], dass unter DDR-Verhältnissen auch ein Herr Hintze (so, wie eben Frau Merkel) mitgeschwommen wäre, anstatt also zu begreifen, wie es doch alle Repräsentanten der besitzbürgerlichen Kasten – angefangen mit Reichskanzler v. Papen über Bundeskanzler Adenauer bis zum Ersten Bürgermeister Ole von Beust – begriffen und praktiziert haben: dass man sich „unter Umständen“ auch mit dem „Teufel“ einlassen muss, um an die Macht zu kommen (bzw. sich dortselbst zu halten) – anstatt also dieses Kleine Einmaleins der Politik zu begreifen, hat sich die SPD-Führung verängstigt von den 1,3 Millionen „einfachen“ Mitgliedern der SED distanziert, anstatt den Laden geschlossen zu übernehmen und anschließend in einem „Selbstreinigungsprozess“ die Spreu (die Schrittmacher) vom Weizen (die Mitmacher) zu sondern, wie das dann vorbildlich 1996 in Südafrika vorgeführt worden ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheits-_und_Versöhnungskommission ). Lies dazu auch

„Kann ein Regime, das von der Mehrheit der Bevölkerung gehasst und abgelehnt wird, den Übergang zu einer demokratischen Gesellschaftsform schaffen, in der Recht und Gesetz gelten? Hat es einen solchen Wandel in der Geschichte jemals gegeben, ohne dass dabei Blut vergossen worden ist?

Die überraschende Antwort ist ja, es kann gelingen. Das Apartheid-Regime in Südafrika wurde ebenfalls von der Mehrheit der Menschen gehasst, und es war ein extrem gewalttätiges System. Trotzdem gelang es Südafrika unter der genialen Führung Nelson Mandelas, den Weg eines friedlichen Wandels einzuschlagen.“

Afshin Ellian in: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,631232,00.html

Der Genosse Müntefering mag in 2008 nun endlich die richtige Erkenntnis gewonnen haben, dass die SPD – ich ergänze: endlich – „Männer und Frauen braucht, die führen können“, er sollte sich dann aber auch endlich der Frage stellen, was er und seinesgleichen sträflichst versäumt haben, auf dass es dazu bis auf den heutigen Tagen nicht gekommen ist?!

Wäre es also 1990ff. zu dieser Vereinigung der Mitglieder von SPD und SED gekommen, dann hätte es nach 16 – 18 Jahren – Führungs-[5] und Kampfkompetenz vorausgesetzt! – gelingen müssen, die nationale Einheit auch auf der alles entscheidenden mentalen[6] Ebene zu verwirklichen. Stattdessen herrscht aber auch in der heutigen Politik das (historisch sattsam bekannte) Phänomen des OPFERMENTALITÄTERs[7] vor!


[1] Lies http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,582343,00.html

[2] Dazu Willy Brandt in http://www.youtube.com/watch?v=A7mvHRAqXdY&feature=related Minute 4:25ff.

[3] Lies: www.wirklich-denken-koennen.de

[4] Zum Thema Kampfkompetenz: s. Anm. 3

[5] Zum Thema Führungskompetenz: s. Anm. 3

[6] Dazu Michael Jürgs in www.spiegel.de/video/video-37531.html

[7] Zum Thema Opfermentalitäter: s. Anm. 3


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Eine Antwort zu Versagen der SPD-Führung

  1. profiprofil schreibt:

    Na ja: zwölf Monate und vier grandios vergeigte Wahlen später kommt zumindest der SPD-Hoffnungsträge Platzeck aus Brandenburg zu der von mir oben dargelegten richtigen Erkenntnis vom „Urfehler“ dieser in fast jeder historischen Situation völlig überforderten jeweiligen SPD-Führung.

    Zitat vom 17. 10. 2009:

    SZ: Warum laufen gerade der SPD im Osten so viele Wähler zur Linken weg?

    Platzeck: Wir haben nicht alles richtig gemacht. Es war auch ein Urfehler, dass die Ost-SPD sich bei ihrer Gründung geweigert hat, ehemalige SED-Mitglieder aufzunehmen. Wenn über zwei Millionen SED-Mitglieder in der DDR lebten, dabei die halbe technische Intelligenz, fast die ganze Akademie der Wissenschaften, dann war es gewagt zu sagen: Wir wollen mit euch nichts zu tun haben.

    SZ: Bedauern Sie, dass die SPD diese Akademiker an die Linke verloren hat?

    Platzeck: Wir haben sie nicht verloren, sondern nicht bekommen.

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