Katholische Fundis

5. 2. 2009: Der Papst und die Piusbrüder

Kurt Kisters Rechtfertigung des Einspruchs der Bundeskanzlerin (Merkel und der Papst, SZ vom 5. 2. 2009) mal dahingestellt, so möchte ich doch seiner Bewertung von der „politischen Dummheit“ des Papstes widersprechen: Wenn ich die säkularen Zielsetzungen der Kurie richtig interpretiere, dann orientiert sich ihre Politik in erster Linie an der Erhaltung der Kirche als geldwerter Institution.

Diese meine strategische Einschätzung auf den aktuellen Clash of Culture übertragen komme ich zu folgendem Schluss:

Wenn der Papst mit den vier alten Piusbrüder-Kardinälen – die ja zumindest im Diesseits auch nicht ewig leben werden – gleichzeitig 600.000 fanatische Berufssoldaten einkaufen kann, dann kann er auf zig Millionen abendländische Karteileichen-Reservisten, die für ihn eh schon alles „Evangelische“ sind, allemal verzichten!

Nicht nur unterm ewigen Licht betrachtet wird – wenn der Sturm im medialen Wasserglas übermorgen ausgehaucht sein wird – der Papst sich also wirklich dazu beglückwünschen können, wieder mal ein wirklich sehr gutes Geschäft gemacht zu haben!

22. Juni: lasst uns doch mal den Vorgang verfolgen, um zu überprüfen, ob ich „wirklich“ denken kann, oder nur ideologisch.
Hier ist als erster Beitrag  SPON vom 22. 6. mit der Nachricht:

Piusbrüder weihen wieder Priester

Sie scheinen unverbesserlich: Trotz Warnungen (kicher, kicher!- GW) aus dem Vatikan   hat die erzkonservative Piusbruderschaft in den USA Neupriester geweiht. Auch in Deutschland steht demnächst eine entsprechende Zeremonie auf dem Programm. (…)

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, hatte die Weihen als „Affront gegen die Einheit der Kirche“ kritisiert.

Meine Zwischenfrage: welche „Kirche“ meint dieser in der Sicht des Heiligen Vaters „eigentlich“ – sprich: wirklich – schon „evangelische“ Kirchenmann?!

Dialog über offene Fragen

Vor einer Woche hatte der Vatikan auch erläutert, wie die Auseinandersetzung mit der Piusbruderschaft weitergehen soll. Schon bald solle die für die Piusbrüder zuständige Kirchenkommission, in der Zwischenzeit angebunden an die Glaubenskongregation, ihren neuen Status erhalten. Das sei die Voraussetzung für den Beginn des Dialogs über offene Fragen, darunter disziplinarische, betonte der Vatikan.

Der Theologe Prof. Wolfgang Beinert, ehemaliger Assistent von Joseph Ratzinger zu dessen Professorenzeit, verlangte vom Vatikan mehr Konsequenz. Man könne nicht etwas für unerlaubt erklären, aber folgenlos belassen, sagte er am Montag im Deutschlandradio mit Blick auf die Priesterweihen.

Guter Mann, 1500 Jahre „Kirchgeschichte“ sollten dich doch da eines Besseren belehrt haben: man „kann“, wenn man ein Diktator ist,  solange alles, bis man gestürzt wird – oder das Zeitliche gesegnet hat!

„Man müsste – nach all dem, was der Papst gesagt hat – eben klipp und klar erklären, dass diese Handlung nicht nur illegitim ist, sondern auch für die Handelnden bestimmte Konsequenzen hat.“ Nach Ansicht Beinerts könnte eine solche Konsequenz auch die Exkommunikation sein. Diese sei zwar für diesen Fall nicht vorgesehen, der Papst könne sie aber erklären.

Wer ist hier „man“?! Dein Papst „könnte“ die Exkommunikation erklären, aber er wird sie nicht erklären, nachdem er sie gerade doch aufgehoben hat, weil er diese Brüder kirchenpolitisch braucht!

Laut Beinert geht es bei dem Umgang mit der Piusbruderschaft um eine „wahrhaft kirchenpolitische und theologische Entscheidung“. Die Frage sei, ob die Bruderschaft aufgrund ihrer ablehnenden Haltung zum Zweiten Vatikanischen Konzil überhaupt noch innerhalb der katholischen Kirche stehe: „Das heißt, handelt es sich hier um eine mehr oder weniger schismatische Bewegung, die Probleme mit dem Regiment des Papstes hat, oder werden von ihr Dinge behauptet, die gegen die Lehre der katholischen Kirche sind?“

Weder noch, guter Mann: der Papst repräsentiert doch nach deiner eigenen Auffassung  „die Kirche“, und wer hier „Probleme mit dem Regiment (!)  des Papstes“ hat, das bist du!
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Eine Antwort zu Katholische Fundis

  1. profiprofil schreibt:

    Der österreichische Kabarettist Josef Hader über meine Theorie von „Kirche/Religion als Geschäftsidee“. In: SZ-Online vom 13. 4. 2010

    (…) sueddeutsche.de: Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn erkennt die Schuld der Kirche am Missbrauch von Kindern an, die Bischöfe von Innsbruck und Salzburg denken laut über ein Ende des Zölibats nach. Ist das kein Fortschritt?

    Hader: Das zeigt nur, wie weit der Kirche das Wasser schon bis zum Hals steht. Immer mehr Leute treten aus, das merken die auch am Geld. Und dann kommen sie ganz vorsichtig mit solchen Gedanken.

    sueddeutsche.de: Welche Rolle spielt das Zölibat?

    Hader: Da geht es um reinen Machterhalt, Glaubensinhalte spielen keine Rolle.

    sueddeutsche.de: Die Ehelosigkeit als Herrschaftsinstrument?

    Hader: So ist es. Mit unverheirateten Männern, die rund um den Erdball verstreut sind, kann man eine tolle Hierarchie aufbauen. Frauen oder verheiratete Männern würden da nicht mitmachen. Der Kirche ist ihre Macht so wichtig, dass sie dafür in Kauf nimmt, dass ihr die Priester ausgehen. (….)

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