Selbsterkenntnis: Geschäftsinteresse und Erkenntnisinteresse

Ich fange heute  mal direkt bei mir an: bei meiner Verwunderung über die Tatsache nämlich, dass ich in einem Blog mit 50 Artikeln 50 „Kommentare“ erhalten habe, von denen 49 – die in der Regel Hinweise auf weiterführende Zeitungsartikel enthalten – von mir selbst erstellt worden sind, und ich beantworte jetzt auch direkt selbstkritisch die Frage, wie ich mir denn dieses Phänomen des Schweigens der Leser wohl erklären könne? (Interessant auch die Bilanzziehung sechs Jahre später in: DER ERFOLGLOSE http://wp.me/pxqev-Sc )

Zur Eröffnung meines Essays möchte ich Johan Schloemann zitieren, der dieses mein Thema „Was ist eigentlich / wirklich noch von Interesse?“ gestern mit folgender Erkenntnis bereichert hat:

„Die Leute regen sich über Moscheen und Minarette auf. Warum? Eigentlich leben wir heute in einer allumfassenden Egal-Gesellschaft. Den allermeisten Bürgern des Landes ist es den ganzen Tag lang vollkommen gleichgültig, was ihr Nachbar treibt. Egal, wie er seine Kinder erzieht, egal, was er glaubt, wenn er etwas glaubt, egal, ob er doofe türkische oder doofe deutsche Fernsehsender schaut.“ (In: SZ vom 5. 11. 2009)

„Egal“ ist dem Leser vielleicht also auch, was den Weghorn so antreibt und was er so schreibt, so z. B. zum Thema: „Wer ist eigentlich ein Jude?“ Meine doch wirklich in jeder Beziehung denkanstößige Rezension von Andreas Zielcke  gleichnamigen Essay interessierte bis heute niemanden, noch nicht einmal den Autor  selber, dem ich sie mailwendend habe zukommen lassen; und die gleiche Aussage gilt auch für die im Zweiten Gespräch kritisierten Autoren Marcel Möring und Maxim Biller, die ich ebenfalls um ihre Stellungnahme gebeten habe. Warum also schweigen sie sich aus?! Ist meine Kritik ihrer Äußerungen nicht fundiert, nicht diskussions-würdig, nicht merk-würdig genug?! Bin ich es etwa, der wirklich nicht wirklich denken kann?!

Die gleiche WARUM-Frage stelle ich mir auch bezüglich des Schweigens der SPD-Führungskräfte, denen ich ja ebenfalls die Leviten gelesen habe, und dies, wie ich es kess behaupte, mit ebenfalls sehr diskutablen Argumenten!? Oder ist es vielleicht jenes „Leviten lesen“, was bei den Herrschaften nicht so gut ankommt, was vielleicht sogar – „fälschlicher Weise“, logisch! – von ihnen als „arrogant“ beurteilt und damit auch flugs verworfen wird?!

Fragen über Fragen; und selbstkritische noch dazu!

Und überhaupt: warum schweigen auch noch alle meine anderen Leser – also auch Du / Sie – gerade bei einem Autor, zu dessen Credo der WIDERSPRUCH gehört, der öffentlich bekundet, dass er jeden Widerspruch liebe, weil nur in der Auseinandersetzung mit dem Widerpartner – also in der professionellen und kundenorientierten Erörterung des Für und Wider einer Handlung / Meinung bzw. des diese motivierenden Interesses – eine jede Persönlichkeit etwas sie Bereicherndes hinzulernen könne?! Warum also schaden sie sich – und mir – mit ihrem Schweigen? Vielleicht gerade deshalb?!!

O. k., sie ahnen es: ich würde auch ohne erkennbare Resonanz von außen publizieren – den Nachweis habe ich mit meinem Buch und mit diesem BLOG doch wohl erbracht – aber „eigentlich“  publiziere ich, um Rückmeldung zu erhalten, genauer: um mit neuen Erkenntnissen bereichert zu werden (Erkenntnisinteresse), und um selber mit neuen Erkenntnissen andere bereichern zu können (Geschäftsinteresse) – gleichgültig, ob diese dafür einen Gegenwert liefern (Äquivalententausch) oder nicht!

Meine Kritik an den Handlungen von Zielcke, Möring, Biller, Broder und anderen ist – zumal ich mich durch deren  Publikation beschenkt sehe – als mein Geschenk an die Genannten zu verstehen, und die Veröffentlichung von Kritik und Selbstkritik in diesem BLOG ist darüber hinaus für mich eine Investition in die Zukunft (Geschäftsinteresse), in meine berufliche Zukunft, aber eben auch in die Beförderung der Zukunft des demokratischen Sozialismus, wie ich ihn verstehe.

Nun gut: es gibt Menschen, die sind nicht so idealistisch eingestellt wie ich, und die haben dementsprechend ein anderes Verständnis von Geschäftsinteresse, als ich es habe: sie verkaufen z. B. alles, was sich überhaupt zu Geld machen lässt – und darunter auch ihre Mitbürger „für dumm“ (Th. Wieczorek: Die verblödete Republik – Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen) –  weshalb es auch sehr „verständlich“ ist, wenn ein Repräsentant der Plappernden Kaste – dieser Zielgruppe meiner Polemiken – kein Interesse entwickelt, mir zu antworten, besteht doch in seinen  Augen zurecht die „Gefahr“, dass seine Antwort für ihn nach hinten losgehen, also seinen egoistischen Geschäftsinteressen schaden könnte / würde / müsste…!?

Doch da gibt es ja noch Dich / Sie, eine Persönlichkeit, von der ich nicht annehme, dass sie ihr Erkenntnisinteresse jenem egoistischen Geschäftsinteresse – „egal“ was, „egal“ wie, „egal“ womit: nach mir die Sintflut – unterworfen und sich in die „Egal-Gesellschaft“ abgemeldet hat, eine – im landläufigen Verständnis – idealistische Persönlichkeit also, die sich in der Pflicht sieht, Mitverantwortung auch für das allgemeine Wohl im Sinne von Art. 56 GG zu übernehmen?! Wenn ein solchermaßen „kongenialer“ Gesprächsparter („genial“ verkörpert von Larry David in dem denkwürdigen Film „Whatever Works“ von Woody Allen) schweigt, dann könnte ich das als Zustimmung deuten, es könnte aber auch als Eingeständnis von Gleichgültigkeit oder von Hilflosigkeit gedeutet werden. Oder eben von wirklichem Desinteresse an den Themen, die ich für wesentlich halte: „anything goes“!

Whatever works. Wie dem auch sei: ich möchte hier noch einmal mein Geschäftsinteresse an der Zuwendung Deiner / Ihrer Rückmeldung oder Anregung bekunden und dabei die Möglichkeit nicht unerwähnt lassen, dass dieses auch dezent befriedigt werden könnte, in einer eMail oder in einem Gespräch beispielsweise. Ich jedenfalls würde mich damit sehr beschenkt fühlen – und dies nicht nur zur Weihnachtszeit.

Dazu auch mein Jahresendzeitfesttagswunsch:

jetzt denke wirklich gut – auch von Dir selbst!

Zukunft
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3 Antworten zu Selbsterkenntnis: Geschäftsinteresse und Erkenntnisinteresse

  1. kampmann schreibt:

    Hallo Herr Weghorn,

    sehr nett vom Still, vom Inhalt verständlich und vom Anliegen berechtigt, hat es mir gefallen Ihren Artikel zu lesen. Ob wir in einer Egalgesellschaft leben, weiss ich nicht. Jeder hat vermute ich, auf irgend einem Gebiet Interessen die ihm nicht egal sein werden. An mir selbst und ich schreibe auch gerne, merke ich doch wie die Reizüberflutung und die Masse an Informationen es mir nicht leicht macht, mir die Zeit zu nehmen, um in die Tiefe der Dinge einzutauchen. So bleibt vieles nur noch Oberflächlichkeit, so vermute geht es vielen Menschen. Nicht zu schreiben und nicht zu antworten, ist eine Leistungsverweigerung, die hilft mit nicht noch mehr Herausforderndem zugepackt zu werden, was mich aber nicht davon abhielt, diese wenigen Zeilen, in der Frische eines beginnenden Morgens Ihnen zu schreiben.

    Mit herzlichen Grüßen durch die Nacht aus Offenbach a,M.
    Uwe Kampmann

    • profiprofil schreibt:

      Hallo Uwe Kampmann, mein Dank für Ihre freundlichen Worte, die mir folgenden Denkanstoß versetzt haben:

      ich denke, es ist die “Flut an Informationen”, die einen ungelernten Intellektuellen, von den übrigen Zeitgenossen hier ganz zu schweigen, veranlassen, sich letztlich gar nicht mehr mit “Politik” zu beschäftigen.

      Die Lösung des Überfluss-Überdruss-Problems, die ich gefunden habe, lässt sich in dem Satz zusammenfassen: Unser (Weiter)Bildungssystem muss als wichtigstes Lehr-/Lernfach den Erwerb und die Professionalisierung von “Beziehungs-, Führungs- und Kampfkompetenz” institutionalisieren – ein Fach, an dessen Einrichtung die herrschenden und die plappernden Kasten nicht interessiert sind, wie man es sich wohl denken kann. Was ich darunter verstehe, das habe ich in meinem Buch in der anhängigen “Leseprobe” entwickelt.

      Nochmals vielen Dank für die Rückmeldung – jetzt sind es schon drei an der Zahl.

      Gerd Weghorn

      Mainzer Str. 79, 53179 Bonn

      0228 – 34 10 36 0177 – 418 82 81 weghorn@profiprofil.de

      BUCH: http://www.kampfkompetenz.de BLOG: http://www.profiprofil.wordpress.com

      Wem nützt eigentlich – also wirklich – meine UNFÄHIGKEIT,
      den WIDERSPRUCH in mir – bzw. den WIDERSPRUCH Dritter –
      nicht tolerieren, nicht aushalten, nicht herausfordern,
      geschweige denn loben oder gar lieben zu können?!

  2. jrbrahms schreibt:

    Hallo Herr Weghorn,

    Ihnen zu schreiben ist schon schwierig, denn vor allem steht immer die Hürde sich wieder einmal anmelden zu müssen. An dieser Hürde werden sicher die meisten Einträge und Kommentare hier scheitern.

    Gruss

    Brahms

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