Der professionelle Umgang mit dem WIDERSPRUCH: glauben oder können, Religion oder Kompetenz?

work in progress: 29. 10. 2014

„Das nämlich ist des Pudels Identitäts-Kern“, schrieb ich im letzten Essay: Die eigene Unfähigkeit in punkto persönlicher Beziehungs-, Führungs- und Kampfkompetenz:

Wem nämlich nützt wirklich meine UNFÄHIGKEIT
(bzw. woher kommt mein INTERESSE)
,
den WIDERSPRUCH in mir – bzw. den WIDERSPRUCH Dritter –
nicht tolerieren, nicht aushalten, nicht herausfordern,
geschweige denn loben oder gar lieben zu KÖNNEN  –
oder es (nicht) zu erlernen?!

Dies nämlich ist – herausfordernd formuliert – “die Frage aller Fragen”, ist doch der Umgang mit dem WIDERSPRUCH für jeden einzelnen DAS Problem aller Probleme! Und deshalb ja auch DER zentrale Beweggrund für die Erfindung und Verbreitung von Religionen und anderen persönlichen Weltanschauungen! Und ich versprach: „Dazu mehr im nächsten Essay!“

Nun, hier sind sie: die zum WIDERSPRUCH auffordernden Denkanstöße zum Thema BEDEUTUNG des WIDERSPRUCHs sowie des professionellen UMGANGs mit dem WIDERSPRUCH. Anders gesagt: mein Weg vom Opfermentalitäter in mir zum Gestalter meiner Beziehungen!

Zur Bedeutung des Widerspruchs kann ich nur vorausschicken, dass man ihn in seiner Wirkmächtigkeit /Allmächtigkeit für das Dasein und Sosein aller Objekte – der lebendigen wie der toten – absolut nicht überschätzen kann, wäre doch ohne seine Existenz nichts so, was/wie es gewesen ist, was/wie es ist und was/wie es zukünftig sein wird: denn sein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit!

Die Assoziation, die mein Zitat auslösen soll, ist beabsichtigt, übernehme ich doch bewusst ein Bekenntnis aus dem gemeinschaftsstiftenden Urgebet der monotheistisch sozialisierten Menschheit, weil ich denke, damit ohne Umweg in das Zentrum meines Themas gelangen zu können, welches ich in der These zusammenfassen möchte: Auch alle Religionen sind als Ansätze / Versuche zu verstehen, mit dem jeweils persönlich erlebten WIDERSPRUCH gemeinschaftssbildend und gemeinschaftsstabilierend umgehen zu lernen und umzugehen; dass darin der ausschließliche Sinn/Nutzen der Thora bestand/besteht, ist evident, und dass das Christentum sich ebenfalls zu einer kanonischen Weltanschauung entwickelte, also wieder „jüdisch“ wurde, ebenfalls.

Jede Wissenschaft, jede Religion, jede Denke ist also in meinem Verständnis Ausdruck einer Weltanschauung, in deren Mittelpunkt das selbstbezügliche Individuum und seine Umgebung stehen, zu der – biographisch und anthropologisch betrachtet – in erster Linie die natürlichen Kräfte und in zweiter Linie die kulturellen Einrichtungen und Normen zählen, die in meiner Wortschöpfung ihrerseits als kultürliche „Antworten“ auf die natürlichen Lebensbedingungen anzusehen sind.

Die Aufhebung des Polytheismus im Monotheismus ist den politisch-ökonomisch-technischen Lebensverhältnissen der betreffenden Gemeinschaften geschuldet gewesen und hat auf diese (und andere) wiederum „fortschrittlich“ zurückgewirkt. So haben sich z. B. das Judentum und – mit Clan-transitorischem, internationalistischen Interesse – das Christentum über die Jahrtausende herausgemendelt und jene Gebilde entstehen lassen, die sich als „westliche Wertegemeinschaft“ von anderen Kulturen abheben.

Dass alle Kulturen, also auch die des „Abendlandes“, in ihrer fragilen, brüchigen, temporären „Einheit“ / „Identität“ – z. B. als „Religion“ als „Reich“, als „Nation“, als „Volk“ oder als „Partei“ – immer zugleich auch vom Zerfall / Wandel betroffen gewesen sind, das erklärt sich einzig aus der Wirkmächtigkeit der Widersprüche zwischen und der Widersprüche innerhalb der Klassen, Schichten und Personen  der Herrschenden und Beherrschten, die sich im nie endenden Kampf um Vorherrschaft über die Produktivkraft Arbeit bekriegten und bekriegen.

Das Erfordernis der Aneignung und der Professionalisierung von Beziehungskompetenz gerade in den Spielarten Führungs- und Kampfkompetenz ergibt sich also aus dieser Tatsache der Wirkmächtigkeit der Widersprüche, als deren absolute Negation sich sowohl die monotheistischen wie die gottlosen Religionsherren das paradiesische Jenseits, das „Leben nach dem Tode“ ausgedacht haben – wobei die Führer totalitärer Systeme mit der Erzwingung der „Volksgemeinschaft“ „Sicherheit“ – sprich: Widerspruchs- und damit Risikofreiheit – bereits im Dieseits versprechen  – ein Volk, ein Reich, ein Führer – und genau damit im Diesseits das Gegenteil erreichen!

Worin wir versagen – und ich schließe mich davon prinzipiell nicht aus – das erklärt sich insbesondere über die Analyse unserer Umgangsformen mit den WIDERSPRÜCHEN,  also jenen zwischen meinem Anspruchsdenken und der Wirklichkeit, oder – wie es der Volksmund so schön ausdrückt – zwischen Theorie und Praxis, Schein und Sein, Reden und Handeln, Oben und Unten, Pflicht und Neigung etc. pp..

Diese ungelösten/unlösbaren/(nicht)antagonistischen Widersprüche sind die Ursachen für die Kernprobleme aller Menschen! Denn: der WIDERSPRUCH ist allgegenwärtig, er ist ja in Wirklichkeit der Allmächtige, er ist ja das, was die Religionen als HERR und GOTT bezeichnet haben, weil dieser Allmächtige,  dieser Schöpfer des Himmels und der Erden – der WIDERSPRUCH eben – vor zwei bis dreitausend Jahren noch schwerer zu verstehen und zu handhaben gewesen ist, als er es heute ist, im Zeitalter der wissenschaftlichen Aufklärung über die wirklichen Beweggründe der Dinge.

Und in der Tat: der von mir propagierte professionelle UMGANG mit jedem Widerspruch beweist sich zuerst – und für jeden erkennbar – in seiner Anerkennung, dann in seiner Verehrung und letztlich in meiner Liebe zum Widerspruch, wird doch jede Beziehung – und insbesondere die zu unseren Nächsten – durch eine Vielfalt von Widersprüchen geprägt, die wir nicht nur in Gestalt von Ärger, Wut und Hass, sondern auch – und insbesondere – in Gestalt von persönlicher Ohnmacht und Verzweiflung erleben.  Die uns überlieferten Gebote der Nächstenliebe wie der Feindesliebe verlangen von uns,  wenn nicht die Liebe zum Widersprecher, so doch  zumindest die Liebe zum Widerspruch.

Ohnmacht kennzeichnet auch die virtuelle Beziehung zum „allmächtigen“ Gott, der seinerseits nicht nur als liebender und Verehrung / Liebe gebietender Herr, sondern auch als Vater dargestellt bzw. empfunden wird, welcher über den Widerspruch / Widerstand / Abfall seines Kindes zornig werden könnte. So lebt der Gottgläubige durch den von ihm – gemäß seinem Glaubensbekenntnis – persönlich nicht aufhebbaren Widerspruch im ständigen Zweifel an der Gottgefälligkeit seines Denkens und Handelns, der ihm von Kindesbeinen an vermittelt wird: Lieber Heiland mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!

Die Professionalisierung von persönlicher Beziehungskompetenz in allen ihren Ausdrucksformen – hier insbesondere in Gestalt von Führungs- und Kampfkompetenz – dagegen muss, will sie erfolgversprechend sein, in einem Lern-Prozess ihren Ausgang nehmen, in der die Analyse der wirklichen Ursachen des persönlichen Selbstzweifels, genauer:

  1. des persönlichen Zweifels am eigenen Gebrauchswert für Andere (sprich: am eigenen Tauschwert) und / oder
  2. des persönlichen Zweifels am eigenen Gebrauchswert für sich selbst (sprich: am eigenen Selbstwert)

im Zentrum steht – wobei bewusst gemacht werden muss, dass ein Selbstzweifel erst dann zum Problem wird, wenn er chronifiziert, ist doch der „gesunde“ Zweifel die Hebamme des Fortschritts!

Anders also der suchtkranke , der geltungssüchtige Zweifel, jene abgrundtiefe / depressive Verzweiflung über die eigene Unfähigkeit, Ohnmacht, Hilflosigkeit, die sich in (auto)aggressiven Ausbrüchen von Ärger, Wut und Hass entladen muss – auf ihn bezogen gilt die gesetzmäßige Aussage:

Chronischer Selbstzweifel am eigenen Tausch- und/oder Selbstwert:
das ist die Quelle/Ursache
fast aller Befindlichkeitsstörungen, Beziehungsprobleme und Krankheiten.

Ein (Selbst)Coaching, das diese Ursache nicht (an)erkennt und bearbeitet, hat dementsprechend keinen persönlichen Gebrauchswert, ist sozusagen Augenwischerei, Selbstbetrug, Betrug. Anders gesagt: Wer nicht gelernt hat, mit den das menschliche DaSein wie das persönliche SoSein konstituierenden / dominierenden Widersprüchen professionell umzugehen, der wird keine GESTALTERMENTALITÄT entwickeln können, sondern weiterhin alles daran setzen müssen, als OPFERMENTALITÄTER seine mehr oder minder problembehafteten Ersatzbefriedigungen zu suchen und zu finden. 

Denn:

Der unprofessionelle Umgang mit dem dem WIDERSPRUCH schafft PROBLEME, und der unprofessionelle Umgang mit  Problemen schafft KONFLIKTE, und der unprofessionelle Umgang mit Konflikten schafft KRISEN, und der unprofessionelle Umgang mit Krisen schafft letztlich KRIEGE, also Mord und Totschlag und Zerstörung von Lebenswelten!

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