Polemik schlägt Pamphlet

In Daniel Brössler habe ich einen Journalisten der SZ kennen lernen können, der seine Hand am Puls von SPD und Linken (DL) hat und uns Hintergrundinformationen präsentiert, die zumindest mein Wissen über Strömungen und Entwicklungstendenzen in beiden Parteien bereichert haben.

In der heutigen Ausgabe der SZ allerdings hat sich der Herr Brössler einen ganzseitigen Artikel geleistet, den ich unter der Rubrik publizistisches „Pamphlet“, also Schmähschrift, einordnen  muss, wogegen ich die publizistische Polemik als kundenorientierte intellektuelle Kampfform vorführen möchte:

Ich denke, das Geschäftsinteresse des Autors ist bereits sehr klar in der suggestiv formulierten Überschrift zusammengefasst worden, die da lautet:

Horch und guck mal

Ist Berlin-Lichtenberg immer noch ein Stasi-Bezirk?
Man trifft hier auf Mielkes eifrige Veteranen.
Man trifft auf eine zupackende Bürgermeisterin
und Gesine Lötzsch von der Linkspartei,
die sich heftig müht, einen Generalverdacht zu zerstreuen.“

Und hier trifft der Daniel Brössler auf den Gerd Weghorn, der ihm die Leviten lesen wird. Doch dies in der Gewissheit, damit auch ihn bereichern zu können – „kundenorientiert“ (LehrProgramm S. 2) eben!

Erkennbar  ist die Intention des Autors, dass er Frau Lötzsch „von der Linkspartei“ publizistisch einen Image-Schaden zufügen möchte, indem er ihr – die in dem von ihm als „Stasi-Bezirk“ präsentierten Bezirk Lichtenberg mit über 47 Prozent direkt in den Bundestag gewählt worden ist – den „Generalverdacht“ anhängt,  Sympathisantin „der“ Stasi zu sein. Denn das ist im Grunde auch Brösslers Obsession: „Durch die versuchte Parallelisierung von DDR und Linkspartei soll der Antikommunismus in der Bevölkerung erneut zum Leben erweckt werden, um tagespolitischen Nutzen zu ziehen. (…) Das ließe sich vermutlich entkräften“ behauptet Brössler[1], doch Herrn „Knabe ist es nicht gelungen“ – und damit dies Daniel Brössler ebenfalls nicht gelingen möge, hier meine Kritik:

Der hier vorliegende Versuch einer Stigmatisierung durch die assoziative Gleichsetzung von „Stasi“ und „Gesine Lötzsch“ wird – so behaupte ich es – von Brössler in der Absicht unternommen, den „Antikommunismus“ beim Leser der SZ vom 25. 5. „lebendig“ zu halten, um daraus zumindest einen publizistischen „Nutzen zu ziehen“. Belegen möchte ich diese These mit einem Zitat, das auf der Arroganz des Mächtigen beruht – hier: des SZ-Publizisten B. –  der immerhin selbst das ihm „unangenehme Gefühl“ konstatiert, er sei in Sachen Lötzsch

„als eine Art Käferforscher (sic) unterwegs. ‚Frau Lötzsch, Ihnen wird ja immer wieder vorgehalten, Sie kämen aus einem Bezirk, der immer noch von der Stasi geprägt ist.‘ Für ein Gespräch mit Gesine Lötzsch ist das kein guter Beginn, erst recht nicht, seitdem Spitzel-Vorwürfe gegen ihren Mann laut wurden, zu denen sie grundsätzlich schweigt. ‚Ich werde ständig mit dieser Unterstellung behelligt, in Lichtenberg wohnt die Staatssicherheit. Das drückt den Leuten einen Stempel auf, und das ist nicht in Ordnung. Ich sage Ihnen das in aller Deutlichkeit.‘ Und: ‚Sie werden dann schreiben, Frau Lötzsch reagierte empört.‘ Frau Lötzsch reagierte empört. Zu Recht?

Zu Recht, Herr Brössler – doch für Sie wahrscheinlich nur der „Beweis“ für den Wahrheitsgehalt ihres ganz persönlichen „Generalverdachts“, mit dem Sie auch als „Käferforscher“ intellektuell schon Schiffbruch erlitten hätten.

„GENERALVERDACHT“ ein Wort, dem man erst einmal nachschmecken sollte, um es in seiner ganzen Infamie und Gefährlichkeit nachempfinden zu können! „Generalverdacht“, das ist die rhetorische Totschlagklappe aller totalitären Agitatoren (gewesen), das liegt auf der Linie der Reagans, Bin Ladens oder Bushs, die bestimmte Nationen als „Reich des Bösen“ apostrophierten, das liegt auf der Linie des „Stürmers“, für den „die Juden“ natürlich „an allem“ – also generell –  Schuld gewesen sein sollen, das liegt auf der Linie all der Mächtigen, die sich ihrer Feinde durch Vorverurteilung und Präventivschläge meinen entledigen zu müssen/können, wollen sie nicht selbst als Scharlatane und Verbrecher entlarvt werden. Diesen Begriff überhaupt zu verwenden, das ist eine Generalsauerei – doch eben typisch für den psychologisierenden Antikommunismus (und Antisemitismus) der Plappernden Kaste.

Und dann die üble rhetorische Masche, jemanden daraufhin zu bewerten, ob und wie es ihm gelinge, sich gegenüber einer infamen Unterstellung zu behaupten. In den Worten unseres Käferforschers ist das Frau Lötzsch nicht gelungen, obwohl – so sein Testat – Frau Lötzsch „sich heftig müht“, seinen Generalverdacht „zu zerstreuen“…..!

Eine weitere üble journalistisch-rhetorische Masche ist es,  Personen, die persönlich nichts miteinander zu tun haben (wollen), „argumentativ“ zu verkoppeln, um durch diese Montage propagandistisch die Legitimation des Brösslerschen Generalverdachts zu belegen.  Hier zwei Beispiele:

Da wird von Herrn Brössler der alte Stasi-Oberst Hauck aufs Spielfeld geschoben, der im Folgenden als Verkörperung des „Stasi-Bezirks“ Berlin-Lichtenberg herhalten muss. Dass sein Häuflein von Alt-Stasisten selbst von einem ehemaligen politischen Häftling (!) als „unglaubwürdig“ hingestellt und realistisch so eingeschätzt wird – ‚Das sind armselige, unwichtige, alte Männer‘, sagt Furian, ’sie wollen zeigen: Wir sind noch da’“ – das interessiert Herrn Brössler nicht!

Auch dass der „Oberst Hauck“ kein Mitglieder der DL ist, interessiert den Brössler nicht. Begründung: „wenn er (Hauck) Gregor Gysi heute im Bundestag über ’soziale Gerechtigkeit‘ reden hört, dann ist er doch noch angetan.“ Als etwas älterer Zeitgenosse weiß ich, wie viel Millionen Bundesbürger in den sechziger und siebziger Jahren noch von den Altnazis in den Ministerien, in Kreis- und Landtagen, im Bundestag, in der Bundeswehr, in den Massenmedien etc. „angetan“ gewesen sind: wo sind die heute?!

Auch dass die „Gesine Lötzsch es unlauter (findet), eine automatische Verbindung zu ziehen zwischen Stasi und Linkspartei“, das interessiert ihn nicht, unsern verhinderten Käferforscher. Stattdessen führt er seinen diskriminierenden Gedankengang mit der eleganten Volte von Lötzsch auf Hauck zu Ende, wenn er süffisant anmerkt:

„Sie sagt das mit einer Empörung, von der Oberst a. D. Hauck nichts weiß. Er sagt: ‚Vorbehalte gegen Gesine Lötzsch habe ich in keiner Weise. Wir haben Informationsstände bei verschiedenen Gelegenheiten. Ich habe es oft erlebt, wenn die Gesine Lötzsch sich dort bewegt, dass sie bei uns stehenbleibt. Sie gibt uns die Hand. Sie weiß, wer wir sind. Insgesamt ist das eine Sache, die uns motiviert. Da gibt es eine enge Verbindung.‘

Wohlgemerkt: eine „enge Verbindung“ im Selbstbild eines einzige „Mitstreiters“ aus einem Häuflein „armseliger, unwichtiger, alter Männer“, die lediglich zeigen wollen: „Wir sind noch da.“

Ja, da ist sie also, die „Legitimation“ – jenes wohl konstruierte: „da siehstes mal, was für ein verlogenes Pack diese Linken sind“ – für den GENERALVERDACHT des Daniel Brösslers, der in seinem Schlusssatz den „Oberst Hauck“ mit dem Satz zitiert: „Ich wähle sie und werbe auch dafür im Kreis der Mitstreiter bei jeder Wahl, dass wir die Linkspartei wählen“, den Brössler dann selbst noch dahingehend interpretiert, dass dieser alte Tschekist „das eigentlich (!?) nicht bemerkenswert gefunden“ habe. So also instrumentalisiert man Persönlichkeiten, die sich nicht dagegen verwahren können: ein Lehrbeispiel von tendenziösem Journalismus…!

Ich finde speziell diese Art von Hetze bemerkenswert: missliebige  Personen mit selektierten Äußerungen so zu „verlinken“, dass z. B. das längst abgestandene Stasi-Süppchen auch zwanzig Jahre nach dem kläglichen Ableben der Institution noch für die eigenen miesen Zwecke aufgewärmt und dem SZ-Leser opulent auf „Die Seite Drei“ serviert werden kann. Mit einem Foto aus Stasi-Mielkes Kampfkontor  garniert,  darauf ein Bürostuhl mit „giftblauem“ Bezug sowie  ein Tischchen, daran zwei Stühle, „ebenfalls giftblau“! Sowie einem anklagenden Bild der Gesine Lötzsch, die sich über die „linke“ Tour  ihres Interviewers  beschweren könnte….

„Zu Recht“ übrigens, Herr Brössler!


[1] DANIEL BRÖSSLER bespricht in der SZ vom 10. 08. 2009 die beiden Veröffentlichungen

HUBERTUS KNABE: Honeckers Erben. Die Wahrheit über die Linke. Berlin 2009 und JAN KORTE: Instrument Antikommunismus. Sonderfall Bundesrepublik. Berlin 2009.

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