Profiteure des „Messianismus“

Führungskompetenz, die ja heutzutage durchgängig Gesprächs-Führungskompetenz ist, erweist sich insbesondere in Zeiten der (persönlichen) Krise, also im Umgang mit dem WIDERSPRUCH zwischen SOLL und IST, zwischen Wunsch und Wirklichkeit, so z. B. zwischen Pflicht und Neigung; davon handelt mein DialogBuch, das im Übrigen auf 472 Seiten mit ca. 30 Zitaten auskommt, was mir aber – und auch das ist symptomatisch – die Zuerkennung akademischer Weihe versagt hat. Unter anderem.

Dass Originalität – die sich ausschließlich dem erschließt, der „wirklich“ denken kann – nicht „auszahlt“, habe ich schon an anderer Stelle dargelegt, weshalb ich mich hier dem Phänomen Wissenschafts-Bluff und seine Profitabilität am Beispiel der Causa Guttenberg widmen kann, indem ich einen Aspekt seines Charismas[1], seiner Strahlkraft,  seiner (damit einhergehenden) Beliebtheit / Bewunderung herausarbeite, der bisher – aus für mich ebenfalls sehr verständlichen Gründen – „übersehen“ bzw. unterschlagen worden ist: ich spreche von der messianischen Heilserwartung, die von interessierter Seite – darunter auch von ihm selbst – mit seine Person verbunden und verkündet worden ist. Und weiter verkündet wird. „Der Messias wird wieder kommen“ liest sich beispielsweise so: „Merkel spricht von Guttenberg-Comeback.“

Was wir also im Augenblick erleben, das ist die Kreuzigung, die auf das Hosianna folgen muss, wenn denn die Mythenbildung, ohne die es ja auch kein Judentum, kein Christentum und kein Islamtum gäbe, einsetzen und die von seinen Profiteuren erhofften bzw. eingeforderten / abgepressten Früchte abwerfen sollte.

Bleiben wir beim Christentum, von dem wir wissen, dass es ohne die Gesprächsführungskompetenz der Evangelisten –  in Sonderheit aber des Apostels  Paulus –  wie all die anderen Erweckungsbewegungen im Dunkel der Geschichte verschwunden wäre, was ich – das sei hier mal persönlich angemerkt – sehr bedauert hätte, empfinde ich doch diesen Jesus Christus als die herausragendste Persönlichkeit der Menschheitsgeschichte, unabhängig davon, was die Hierokratie und andere Profiteure seiner Heilsbotschaft aus ihm – im Guten wie im Bösen – gemacht haben. Deren Gesprächsführungskompetenz – wie sie ihren Niederschlag gefunden hat im Gemeinschaftswerk der Geschäftsinteressenten: der Thora, der Evangelien und Apostelgeschichten, des Koran –  diese siegorientierte Gesprächsführungskompetenz gepaart mit politisch-ökonomischer Macht, diese geschäftsinteressierte Einheit von Ideologie und Praxis bildet seit mehreren tausend Jahren die Grundlage jedweder (!) Herrschaft – und damit auch des Fortbestands von Judentum, Christentum und Islamtum als äußerst profitabler politisch-ökonomischer Institutionen.  Oder?! Ich bitte um WIDERSPRUCH!

„Was an dieser Deiner Theorie von der messianischen, der Heilsbringer-Fundierung von siegorientierter Kampf- und Führungskompetenz soll nun für den Citoyen – das Mitglied der Funktionselite einer demokratisch verfassten Gesellschaftsformation – von geschäftsführendem Karriere-Interesse sein“, könnte/müsste/sollte man mich fragen?

Nun: wie es uns der HeilHitler vorexerziert hat, so ist die Berufung auf diese messianische Traditionslinie, die – nebenbei bemerkt – als „Priestertrug“ (Volksmund) die Quintessenz der jüdisch-christlichen Leitkultur der westlichen Wertegemeinschaft ausmacht, inzwischen d i e  Geschäftsidee für Produktion und massenmedialen Vertrieb von Charisma geworden, sei dieses politischer, sei es künstlerischer Natur – wenn sie das nicht schon immer gewesen ist, denke man hier doch nur an die „heidnischen“ Quellen der von der jüdisch-christlichen Hierokratie/Priesterkaste  eingesündeten Wirklichkeit menschlicher Existenz, die vor Urzeiten schon klar mit dem herrschaftssichernden Manipulationsmodell No 1: TÄTER – OPFER – RETTER (TOR)[2] gesprudelt sind.

Einen anschaulichen Beleg meiner These von der Herrschaftssicherungsfunktion der messianischen Heilserwartung liefern zwei Leserzuschriften in der SZ vom heutigen Tage, die vom Blatt selber mit EINE HOFFNUNG WENIGER übergetitelt worden sind; ich darf aus diesen beiden Zuschriften auszugsweise die Stellen zitieren, die der Überschrift entsprechen.

Rolf von Criegern bringt die nicht nur im Bildungsbürgertum virulente, mythologisch gesättigte messianische Heilserwartung, über die ich hier spreche, mit folgenden sehr schönen Worten auf den Punkt, wenn er schreibt:

Mein Gefühl ist nicht Genugtuung, sondern Trauer. Ich stehe nicht der CSU nahe, aber auch ich hatte den Eindruck, dass hier eine politische ‚Lichtgestalt‘ erschienen [3]war, die mit vielem begabt ist, was die Mehrheit unserer Bevölkerung bei den meisten Berufspolitikern vermisst: Charisma, Redlichkeit, Offenheit, Kontaktfreude, Charme, menschliche Ausstrahlung, Bildung, gute Manieren, Redegewandtheit und sicher auch politische Begabung. (…)

Diese Trauerrede korrespondiert nahtlos mit der Confessio von Günter Woltmann-Zeitler, die die Redaktion unter der Überschrift Jetzt haben wir wieder das alte Establishment veröffentlicht hat:

Kein Mensch weiß heute, ob man Karl-Theodor zu Guttenberg später einmal zu Recht einen guten Politiker hätte nennen können. Aber man hat Entsprechendes immerhin bis heute jedenfalls hoffen dürfen. Der Mann ist jung, vital, mutig, unverstellt, unabhängig, geistig rege und aufnahmefähig. Möglich also, dass er in Zukunft, Schritt für Schritt, auf neuen politischen Wegen marschiert wäre, eine bessere Politik erkannt, angeregt, kreiert, zugelassen hätte.

Und die Redaktion der Süddeutschen Zeitung selber bringt dieses Grundempfinden der beiden Citoyen mit der Schlagzeile „Guttenbergs Rücktritt – so folgerichtig er war – lässt manche an der Politik verzweifeln“ präzise auf den Nenner.

„An der Politik verzweifeln“!!

Wenn Herr v. Criegern [4] ganz offen diesen Sterblichen als eine – ich darf, begründet mit dem Zitat das  „alte“ Establishment, hinzufügen – „revolutionäre“ „Lichtgestalt“ apostrophiert und andeutet, dass er mit dieser Sichtweise nicht alleine dastehen dürfte – weiß er doch, was „die Mehrheit unserer Bevölkerung bei den meisten Berufspolitikern vermisst“ – dann wird er darin von Herrn Woltmann-Zeitler sekundiert, der seiner Hoffnung von einem „guten“ Politiker mit ähnlichen Begriffen Ausdruck verliehen hat.

Was in der Aufzählung dieser – massenmedial generierten – Persönlichkeitseigenschaften des zur Abdankung gezwungenen Freiherrn in beiden Zuschriften übereinstimmt, das  ist  „politische Begabung“, ein Wort, dessen Analyse mit Sicherheit für mein Thema zielführend ist.  Die darin mitschwingende Hoffnung, die sich bei beiden Autoren so beredten Ausdruck verleiht, kommt in den Wörtern „neue politische Wege“, die zu einer „besseren Politik“ führen sehr metaphorisch zum Ausdruck, und dies wohl auch deshalb, weil man ja in einem „Forum“ nicht den Raum hat, das „Neue“ bzw. das „Bessere“ mit Inhalt zu füllen.

Betrachtet man deshalb das Objekt der Bewunderung – konkret gesagt: die materielle, die wirkliche Grundlage des ministeriellen Handelns, nämlich die eine (und einzige) Gesetzesinitiativen des Ministers – etwas genauer, dann wird deutlich, dass er – bis auf die Popularisierung eines eklatanten Verfassungsbruchs, konkret: a) der Umwandlung der Bundeswehr von einer Institution der Landesverteidigung in die Fremdenlegion des Imperiums sowie b) der Militarisierung der deutschen Außenpolitik – nichts anderes geleistet hat als die Mitwirkung am strategischen Ziel des Imperiums: seiner Profilierung zum Kanzlerkandidaten der Union![5] Oder?! Meine Prognose lautet, dass dieser Schnellschuss von Herrn  deMaiziere sang- und klanglos kassiert werden wird, und dass – von  Ausnahmen abgesehen – niemand darob traurig sein wird. Ich warte auf WIDERSPRUCH.

Zurück zum Thema, zur Analyse der Bewunderung, wenn nicht sogar der Verehrung einer „Lichtgestalt“, zu deren Erläuterung/Begründung Kriterien herangezogen werden (s. die Zitate), die primär mit dem Wort „Umgangsformen“ auf den Begriff gebracht werden können/müssen.

Was an „K-T“ ganz offensichtlich so begeistert – vor allem seine Altersgenossen, aber anscheinend auch das Gros des Establishments? – ist also insbesondere seine Jugendlichkeit (!), seine Redlichkeit (?!), seine Offenheit (?!), seine Redegewandtheit und sind  seine guten Manieren, alles Persönlichkeitseigenschaften, die man – der Umkehrschluss ist hier intendiert – beim Gros der „Berufspolitiker“ offensichtlich vermisst?!

Auch Du wirst nicht bestreiten können, dass Dir selbst diese „Charakteristika“ irgendwie bekannt vorkommen, sind sie doch fest in Deinem Kindheits-Ich verankert und Dir auf dem langen Marsch durch die einschlägigen Institutionen als Ideal eingetrichtert worden : es ist das Bild, welches die Buchreligionen von ihren Propheten bzw. vom „Sohn Gottes“ gezeichnet haben, die „Heiligen“ der Katholischen Kirche hier gar nicht berücksichtigt. Es ist das Bild vom Erlöser, vom Heilsbringer, vom Heiland, vom Opferlamm – verbunden mit diesem sattsam bekannten totalitären Touch der Verdammnis gegenüber den „Ungläubigen“, sprich: den Andersdenkenden als  „Sündern“ – übrigens  die genialste Geschäftsidee der Weltgeschichte![6]

Die Lichtgestalt des Propheten, der bekanntlich im eigenen Land nichts gilt, eignet sich hervorragend zu den Projektionen, wie sie im Personenkult der Nazis ihren Kulminationspunkt erreicht hatten: „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“. Es ist diese fötal-infantile Sehnsucht nach Aufhebung des WIDERSPRUCHs als dem Grundgesetz der Bewegungen in Natur, Gesellschaft und persönlichem Verhalten, die den OPFERMENTALITÄTER auszeichnet, der seine Geltungssucht zum Maßstab des Handelns aller anderen machen muss, will er nicht an seinem Skript [7] „Schaden erleiden“.

Die Identifikation mit der zur Lichtgestalt verklärten Person – die ja in Wirklichkeit die Identifikation mit dem Aggressor ist –  hat solange eine beglückende Wirkung auf den Fan, wie diese Person sich nicht als Mensch geoutet hat, solange also die Zuschreibung des Übermenschen, das Herausgehobenen, des Gottbegnadeten aufrecht erhalten werden kann, ein Prozess, an dem wir bereits am morgigen Samstag teilnehmen können, wenn es darum geht, 500.000 „Freunde“ der Facebook-Plattform zur öffentlichen Willensbekundung auf die Straßen und Plätze zu bekommen.

Diese vordemokratische „Hoffnung“

  • auf den Erlöser, den die persönlichen (!) Wunden heilenden Heiland, den persönlichen Heilsbringer,
  • auf diesen Makellosen also, diesen Erfolgsmenschen, diesen Opferbereiten, diesen Uneigennützigen,
  • auf diesen Volkstribun SPQR,
  • auf diesen Apoll, diesen Schwarm aller Schwiegermütter
  • diesen Mutigen unter den – zurecht – als Karrieristen verschrienen „Berufspolitikern“,

diese kindische Hoffnung also, den Anführer per Facebook-Abstimmung selber küren zu können,

  • der mit einem Schwerthieb die diversen gordischen Knoten des legislativen Prozesses – z. B. die Umfunktionierung der Bundeswehr zu einer Söldnertruppe – zerschlägt,
  • der der Plappernden Kaste – hier: diesen Doktores und Professores im Lande – die Maske der Exklusivität vom Antlitz reißt und ihren hoch subventionierten Status als Resultat des Opportunismus der Zitierkartelle delegitimiert,
  • dieser macchiavellistische Rebell, der – wie Gerhard Schröder – von Carl Schmitt gelernt hat, dass Ehrlichkeit in der Tat viel zu lange dauert, bis sie die ersehnten Früchte – hier: das Ministeramt – zeitigt, der als Verfassungsjurist weiß, dass „souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet. Die Entscheidungsgewalt in einer durch Gesetze nicht geregelten Grenzsituation ist demnach die wahre Quelle der politischen Macht. Nur was im gesetzlosen Ausnahmezustand entschieden und durch die Gewalt der Entscheidung legal wird, begründet Schmitt zufolge Herrschaft.“[8]

Diese „Hoffnung“ auf Erlösung also ist das jüdisch-christliche Erbe,  auf das sich nicht nur der Hitler Heiland, sondern auch andere Profiteure des herrschenden Messianismus berufen haben – und immer wieder berufen werden [9]: Quod licet Gutti non licet Mutti – das ist – cum grano salis – des OPFERMENTALITÄTERs Wahlspruch  (geblieben): kein Wunder auch bei „unserer“ Leitkultur von Bildung und Erziehung durch Staat und Massenmedien. [10] Chapeau!


[1] Kursiv gesetzte Wörter dokumentieren Wörter des Volksmunds/Mainstreams, für die es keine Urheber gibt.

[2] Zur Aufhebung dieses Manipulationsmodells lies  mein Lehrprogramm auf S. 3 (unten)

[3] Weihnachtshymnus „Christ ist erschienen, uns zu versühnen“, sprich: von der Erbsünde zu erlösen

[4] Zum rechten Verständnis meiner theoretischen Erwägungen halte ich an dieser Stelle folgende metakommunikative Bemerkung für angezeigt:  wenn ich diese Aussagen verallgemeinere, sie als „exemplarisch“ hinstelle, dann will ich damit keine Aussagen über die persönlichen Motive etc. der beiden Autoren verbunden haben, deren Bekenntnisse ich hier einzig als notwendigen und fruchtbaren Denkanstoß gewürdigt sehen möchte – abgesehen davon, dass sie den Rücktritt  Guttenbergs schon selbst als „folgerichtig“ beurteilt haben!

[5] Goppel: „Ich denke mal, dass unsere Diskussion nicht so sehr darauf hinausgelaufen ist, dass der Karl-Theodor Ministerpräsident wird. Da gab es zwar eine ganze Reihe, die das gesagt haben, aber der Karl-Theodor war der geborene Vertreter unserer Linie in Berlin, auch weil er die internationalen Bezüge hat.“ Gemeint sind hier die Beziehungen zur Hauptverwaltung des Imperiums.

[6] Das katholische „Glaubensbekenntnis“ kennt folgende intolerante und terroristische Formulierung: „Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“ und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“, und er sei aus dem Nichtseienden geworden, oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit, oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar, die verdammt die katholische Kirche. [richtig: die belegt die katholische Kirche mit dem Anathema]“ http://de.wikipedia.org/wiki/Bekenntnis_von_Nic%C3%A4a

Die Katholische Kirche steht hier in nichts den intoleranten Verdikten des Propheten Mohammed nach, geschweige denn dem intoleranten Selbstverständnis der jüdischen Hierokraten, die Jesus Christus ja gerade wegen der Propagierung abweichlerischen, „gesetzeswidrigen“  Verhaltens ans Holz schlagen ließen: der Aufhebung des Judentums als völkischer Religion in einer universalistischen / internationalistischen Heilsbotschaft der Erlösung durch schiere göttliche Gnade.

[7] S. Anm. 2

[8] Daniel Binswanger über die Rechtsphilosophie von Carl Schmitt unlängst . In: DIE WELT vom 3. 8. 2005

[9] Lies  den Kommentar vom 9. 3.

[10] Lies den Kommentar vom 5. 4.

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4 Antworten zu Profiteure des „Messianismus“

  1. blogfighter schreibt:

    Heldengedenktag

    Das „Ehrenmal der Bundeswehr“ gedenkt allen Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Angehörigen, die seit der Gründung der Streitkräfte infolge der Ausübung ihres Dienstes gestorben sind.

    Historiker: Deutschland muss Gedenken an Gefallene wieder lernen
    Manfred Hettling plädiert für neue Diskussion über im Ausland getötete Soldaten

  2. profiprofil schreibt:

    Recht hat er, der Albert Göpfert:

    FAZ.net 11. März 2011 17:45
    Die männliche Sissi

    Die „Zeit der Buße“ist theologisch gesehen keine Büße!
    Buße ein Akt freiwilliger Selbstreinigung mittels eines uneingeschränkten Schuldbekenntnisses.
    Aber KT hat die Plagiate nicht gestanden.
    Er ist auch nicht freiwillig zurückgetreten,denn er hatte keine Alternative.

    Der Rücktritt war zwingend,letztlich hat ihn die Wissenschaft,medialer und politischer Druck ans Kreuz genagelt.
    Sein Verhalten nach bekanntwerden der Plagiate war politischer Selbstmord!

    Er ist auch kein Opfer,denn er ist ja Täter!
    Aber die Leute lieben ihn,egal was er anstellt.
    Als strahlende Lichtgestalt ist er das männliche Gegenstück zu Sissi.
    Eine Art schmucker junger Kaiser Franz,der alias Karl Heinz Böhm im schicken Wams durch die Politik streift.
    Er stillt die heimliche Sehnsucht nach Glanz,Größe und Gloria!
    Deswegen bringt er die maximale Quote.
    Dagegen ist kein politisches Kraut gewachsen!

  3. profiprofil schreibt:

    Küng bringt mein Verständnis von jüdisch-christlichem Erbe – hier: die HIEROKRATIE – so auf den Begriff:

    DAS RÖMISCHE SYSTEM muss fallen:
    Ja, die katholische Kirche ist noch zu retten. Nicht aber ihr überkommener Absolutismus

    Autokraten sind Selbst-Herrscher, Allein-Herrscher, die in ihrem Bereich unumschränkte Gewalt beanspruchen. Ungeteilt liegt die Macht in der Hand eines einzelnen Herrschers, Kontroll- und Mitspracherechte von Institutionen und Versammlungen werden nicht toleriert. Autokraten nannten sich die oströmisch-byzantinischen Kaiser; Autokraten waren die machiavellistisch regierenden Renaissancefürsten und die absolutistischen europäischen Herrscher, denen die Französische Revolution ein Ende bereitete. Autokraten nannten sich die russischen Zaren, die von der kommunistischen Revolution weggefegt wurden. Autokraten waren die arabischen Präsidialdiktatoren, die nun vom Volk hinweggefegt wurden. Was aber oft übersehen wird: Autokraten sind seit dem 11.Jahrhundert auch die römischen Päpste, gegen deren Alleinherrschaft in der Kirche weder die spätmittelalterlichen Reformkonzilien, noch die protestantische Reformation, noch die Französische Revolution, noch die Krisen des 19. und 20. Jahrhunderts ankamen. Laut Dekret des Ersten Vatikanischen Konzils von 1870 besitzt der Papst die ‚ganze Fülle der höchsten (ordentlichen und unmittelbaren) Gewalt über die gesamten und einzelnen Kirchen wie über die gesamten und einzelnen Hirten und Gläubigen‘. (…)

    Aus: SZ vom 9. 3. 2011

  4. profiprofil schreibt:

    In der heutigen Ausgabe der SZ veröffentlicht Heribert Prantl einen denkwürdigen Leitartikel zu meinem Thema, übergetitelt mit „Nach Guttenbergs Rücktritt. Die Sehnsucht nach dem Gesalbten“, aus dem ich folgenden Denkanstoß zitieren möchte:

    Es gibt daher in der Demokratie immer wieder eine Sehnsucht nach dem Gesalbten, nach einem, der von Natur aus der Richtige ist, und bei dem die demokratische Wahl diese Richtigkeit nur noch deklaratorisch bestätigt. Es gibt die Sehnsucht nach dem Politiker, bei dem die Kür nicht nach, sondern schon vor der Pflicht kommt. Deshalb war die Freude über Guttenberg so groß, der Haltung auch dann ausstrahlte, wo er keine hatte. Einer wie Guttenberg ist ein Politiker nicht für den Kopf, sondern für das große Gefühl – und das große Gefühl mag sich vom Kopf nicht so schnell überzeugen lassen, dass es falsch lag. Von der Aura blieben aber nun nur die ersten zwei Buchstaben übrig.
    Auch die Demokratie braucht einen gewissen Zauber.

    Während ich in meinem Essay auf die Frage nach dem WARUM und WOZU dieser „Sehnsucht“ eine Antwort gebe, bleibt der Autor uns seine Antwort auf die Beweggründe, also auf das Wesentliche der beobachteten Inszenierungen, schuldig und befestigt so den von mir benannten raffinierten Mythos der Herrschaftssicherung in einer Demokratie, den er – lyrisch-unbestimmt – einen „gewissen Zauber“ nennt.

    So aber wird die Heilserwartung und – was viel problematischer ist – die Ohnmacht/Resignation der Gläubigen – die in der Wirklichkeit der Herrschaft des raffenden Kapitals „Gläubiger“ desselben sind – perpetuiert, wenn vom Meinungsmacher nicht aufgedeckt wird, WEM diese kindische „Sehnsucht nach dem Gesalbten“ wirklich und massiv nützt. Es gibt Profiteure dieses von Prantl nur illustrierten Messianismus: das ist die traurige aber wahre Botschaft! Sie muss verkündet werden!

    CUI BONO?! Die wirkliche – also nicht die scheinbare – Beantwortung dieser Frage entscheidet darüber, wer sich als Publizist – und wer sich als Lyriker verstehen darf.

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