Zur Zukunft der SPD als Mitgliederorganisation

 

Karrieristen[Werbung für SPON vom 18. April 2016]

VORBEMERKUNG

Der im Folgenden abgedruckte Vortrag von mir vom 31. März 2004 [1]ist auch ein Beleg für das, was ich unter dem ProfiProfil eines Politikers / PatePolitikberaters verstehe, die Fähigkeit nämlich, „wirklich“ – also strategisch richtig  und nicht etwa illusionistisch / voluntaristisch / egoistisch – DENKEN zu können.

Und da jede Art von Professionalität sich  letztlich im prognostischen Wert einer Aussage erweist – hier: dem Fehlen von „Kampfkompetenz“ als Hauptgrund für den Niedergang der SPD als „Volks- und Mitgliederpartei“ – lohnt sich das Studium meiner strategischen Analyse auch noch (und insbesondere) 12 Jahre später, hat sie sich doch als Prognose bewährt!

13 Thesen zum Thema „Die Zukunft der SPD als Mitgliederorganisation“.
Ein Vortrag von Gerd Weghorn

These 1: Beginnen möchte ich meinen Vortrag zum Thema: hat die SPD als Mitgliederorganisation noch eine Zukunft? mit der Frage nach dem Selbstverständnis der SPD.

Wenn ich das richtige sehe, dann definiert sie sich als Werte-, Mitglieder – und Volkspartei und ich möchte im folgenden vor allem Überlegungen dazu anstellen, wie es in unserer Partei mit der Werte- und Mitgliederpolitik momentan aussieht.

Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist die Lage vieler nationaler Mitgliederorganisationen – insbesondere der politischen Parteien, der Gewerkschaften, der Arbeitgeberverbände und der Kirchen -, und ich behaupte, dass deren Überlebenschancen in der gegenwärtigen Weltlage auf der Kippe stehen weil und solange die Lage dieser Institutionen durch drei Tendenzen charakterisiert wird: 1. durch Mitgliederaustritte, 2. durch Nachwuchsmangel sowie 3. durch die Inaktivität ihrer beitragszahlenden Mitglieder.

These 2: Auf die SPD treffen alle drei Tendenzen voll zu. Unter der Überschrift Alarmstufe Rot berichtet der SPIEGEL (6/2004) davon, dass die SPD in den vergangenen 13 Jahren 31 % ihres Mitgliederbestands und seit der Bundestagswahl 2002 – also seit gut einem Jahr – 31 % ihres Wählerpotentials verloren habe. Im Jahre 2002 sollen 40.000 Genossen ihre Parteibücher zurückgegeben haben und nur 11.000 in die Partei eingetreten sein – eine Entwicklung, die allerdings nicht auf die SPD beschränkt ist. Beispiel CSU: von den 182.000 Mitgliedern der bayerischen Staatspartei sind nur noch 13.000 – also 8 % – unter 35 Jahre alt. (SPIEGEL 51/2000). Und alle Parteien – mit Ausnahme der PDS – können nur auf eine Stammwählerschaft von ca. 12 % der Wähler bauen. Und die Wahlbeteiligung sinkt von Jahr zu Jahr, was vor allem auf die „Wahlmüdigkeit“ der jungen und mittleren Jahrgänge zurückgeführt wird.

These 3: Unter der Überschrift Vision 2000 plus veröffentlichte die Zeit Ende 1999 ein Interview mit Wolfgang Clement, in dem dieser sagte: Wir bieten jungen Leuten, die sich für die SPD interessieren, immer noch den Ortsverein an, dem man beitreten kann. Das ist wie bei mir vor 30, 40 Jahren.
Anfang 2001 veröffentlichte der Vorwärts unter der Überschrift Es gibt viele Möglichkeiten, Menschen für die SPD zu gewinnen folgende „Neuerungen“ aus einzelnen Ortsvereinen wie z. B.:

– es werden Projektgruppen gebildet, die Anregungen sammeln
– es werden Dienstleistungen angeboten wie Rhetorikseminare für Schülervertreter
– man organisiert Praktika bei Landespolitikern
– man veranstaltet eine LAN-Party, Skate-Nights, Streetball-Turniere, Party gegen Rechts.
– auf Bundesebene gibt es einen virtuellen Ortsverein mit 1000 Mitgliedern.

Ich finde diese „Neuerungen“ jede für sich bewundernswert, glaube aber nicht, dass man mit der hierin auch klar zum Ausdruck kommenden Tatsache der  Führungslosigkeit der Partei den erwähnten drei Tendenzen wirkungsvoll begegnen könnte.

These 4: Im Antrag A1 zur Strukturreform der NRWSPD aus dem Jahre 2001 lese ich u. a.: Unsere Mitgliedschaft schmilzt: 300.000 auf dem Höchststand 1980. 212.000 im Jahr 2000.
Als Ursachen für die Gefährdung bzw. den Verlust der strukturellen Mehrheitsfähigkeit werden von den Antragstellern der Mangel an konzeptioneller Gestaltungskraft sowie die überkommene Organisationsstruktur auf Landesebene angesehen; letztere wird 2001 mit der Bildung des Landesbezirks NRW reformiert.
In dem besagten Antrag A 1 heißt es weiter: die SPD lebt von ihren und durch ihre Mitglieder. Sie sind die Basis des politischen Handelns der SPD. Ihre Bedürfnisse und Erwartungen müssen in der Alltagspraxis einen hohen Stellenwert einnehmen und es müsse auf sie in angemessener Form reagiert werden. (Hervorhebung – GW)
Ich vermute, dass sich dieser Appell an die ehren- und hauptamtlichen Funktionäre der Partei richtet, und ich behaupte, dass auf jeden Fall die medial präsenten Führungskräfte unserer Partei – von Ausnahmen natürlich abgesehen – diesen Anforderungen nur unzureichend gewachsen sind, weil es ihnen nicht nur an „konzeptioneller Gestaltungskraft“, sondern – und das bedingt sich –   auch und insbesondere an genau jener  spezifischen Kampfkompetenz gebricht, auf die es heutzutage ankommt.

These 5: Zurück zu der Formulierung des Antrags A1. Ich möchte im folgenden die Frage erörtern, auf welche Bedürfnisse und Erwartungen unsere Parteiführung überhaupt nur in angemessener Form –  nämlich mit „konzeptioneller Gestaltungskraft“ und „Kampfkompetenz“ –  reagieren kann? Dazu möchte ich für mich klären, mit welchen „Bedürfnissen“ und Erwartungen Politiker  im allgemeinen konfrontiert werden.

Wenn ich das richtig sehe, dann handelt es sich bei den „Bedürfnissen und Erwartungen“ zum einen um politische Interessen und zum zweiten um ganz persönliche Ansprüche, die aus frustrierten Stimmungen von Bürgern erwachsen und für deren Befriedigung Politik eigentlich nicht zuständig ist.
Ich möchte diese These zuerst an Stimmungen illustrieren, die auf Einstellungen basieren, die ich als OPFERMENTALITÄT definiere.

Mit dem Begriff Opfermentalität umreiße ich die nachgerade suchtartige Einstellung eines Menschen, jede Bemerkung, jede Handlung erst einmal daraufhin abzufragen, ob er sich beleidigt, gekränkt, ausgebeutet oder sonst wie entwertet fühlen dürfe. Wir kennen das alle, sowohl von uns als auch von anderen. Wir kennen auch die Hauptkennzeichen einer Opfermentalität, vorrangig das Selbstmitleid, das Klagen ohne wirklich zu leiden und der permanente Schuldvorwurf an alle anderen. Und aus eigener Erfahrung wissen wir, dass derjenige, der diese Befindlichkeitsstörungen des anderen – sei es privat, sei es politisch –  „instrumentalisieren“ kann, so gut wie „gewonnen “hat!

Wer das im politischen Raum kann? Nun: Allen voran die BILD-Zeitung, das Zentralorgan der deutschen OPFERMENTALITÄTER –  und in Abstimmung damit die Führungskräfte der Unions-Parteien: Sie inszenieren 24 Stunden am Tag in allen Medien für die „gefühlten Opfer“ der rotgrünen Politik das Volkstheater mit dem schönen Titel Wasch mir den Pelz, aber mach´ mich nicht nass – Einkommensverzicht ja, aber bitte nicht bei mir!

Diese Opfermentalität könnte aber auch verstanden werden als Ausdruck einer ohnmächtigen Reaktion auf bestimmte, als ungerecht empfundene Interessen von denen da oben. Wie wir alle wissen, gibt es ja auch auf Seiten der Führungskräfte in Wirtschaft und Staat Ansprüche an die Politik, die ebenfalls auf die egoistische Maxime gebracht werden können: Einkommensverzicht ja, aber bitte nicht bei mir!.“[2]

Soviel zu den „Stimmungen“ als Politikum. Für die Gesamtheit der politischen Interessen von Arbeitnehmern wie Arbeitgebern möchte ich den Begriff „Klasseninteresse“ reaktivieren

These 6: Beginnen möchte ich mit den Klasseninteressen, welche SPD und Die Grünen/Bündnis 90 seit 1999 zu befriedigen haben.

Wie wir alle wissen, ist in der Ära Kohl ein Problemberg entstanden, den die neue Regierung seit fünf Jahren abarbeiten muss. Wie wir weiterhin wissen, sind die von der Koalition eingeleiteten Strukturreformen auf jeden Fall im Interesse der besitzenden Schichten – und wo sie nicht weitgehend genug sind bieten sich die Oppositionsparteien an, bei Regierungsübernahme auch diesen Ansprüchen noch entsprechen zu wollen. Und wie wir als drittes wissen, wird die SPD-Führung – und nur die SPD-Führung! – von eben diesen Lobbyisten und ihren publizistischen Propagandisten in der veröffentlichten Meinung dafür verantwortlich gemacht – und dementsprechend angeprangert – dass die Sanierung ausschließlich auf Kosten der kleinen Leute erfolge, ihre Klasseninteressen also mit Füßen trete. (Meinungsumfrage vom 16. 03. 2004)

These 7: Zur Erörterung dieses anscheinend unauflöslichen Widerspruchs stelle ich zwei Fragen:

Wie, bitte schön, sind unsere SPD-Führungskräfte in Bund und Ländern eigentlich mit der bitteren Wahrheit umgegangen,

dass erstens Strukturreformen im globalisierten Kapitalismus nicht gegen die Interessen der herrschenden Schichten und Klassen, sondern nur auf Kosten der kleinen Leute durchgeführt werden können?! Und

dass zweitens eine Regierungskoalition, die sich der Sanierung des kapitalistischen Wirtschaftssystems verpflichtet hat, von den Profiteuren dieser Politik wieder einmal in äußerst unangemessener Form diffamiert wird? (Das Urerlebnis dieser Strategie und Taktik musste die SPD in der Weimarer Republik mit der so genannten Dolchstoßlegende verkraften).

Anders gefragt: Ist von der Parteiführung auf diese beiden Wahrheiten in „angemessener – sprich kämpferischer – Form reagiert“ worden? Ich behaupte: Nein. [3]

Was mich zornig macht ist, dass der SPD-Führung und ihren Öffentlichkeitsarbeitern – insbesondere dem Bundespresseamt (ihr Chef ist Bela Anda, der Intrigant aus der Springer-Redaktion!) – etwas ganz Entscheidendes fehlt, etwas, worauf man nicht verzichten kann, wenn man die Macht erobern und die eroberte Machtposition auch gegen den WIDERSTAND einer skrupellos  konteragierenden Herrschaftselite behaupten will. Es fehlt unseren Führungskräften eine Qualifikation, die ich als kunden- und siegorientierte Kampfkompetenz bezeichne.

These 8: Realität ist eine SPD-Führung, die sich verhält wie das Kaninchen vor der Schlange. Genauer gesagt: unsere „Führungskräfte“ stehen dem manchmal schon unverschämten Anspruchdenken unserer Opfermentalitäts-Mitbürger – Beispiel: der „Steuersong“ (2002) als Legitimation für die eigene Steuerhinterziehung – genauso hilflos und ohnmächtig gegenüber wie den perfiden Kampagne-Strategien der Opposition und der mit ihr verbandelten vierten Gewalt, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eingeschlossen! Wenn beispielsweise ein Boulevardblatt den Kanzler ablichtet und sexistisch fragt: „War das alles?!“ oder der Stoiber Edmund 10 Mal in den tosenden Saal hineinbrüllt: „Der bringt`s nicht!!“ – dann muss man sich als Genosse zähneknirschend eingestehen: die BILD und der Bayer haben zumindest in einem recht: „deine“ SPD-Führung ist in der Tat der neuen Qualität der psychologischen Kriegsführung bzw. des medialen Klassenkampfs nicht gewachsen! Sie bringt´s wirklich nicht!

Statt beeindruckend zu kämpfen geht unsere Führung in Deckung, sie reagiert gar nicht oder aber in unangemessener und geradezu peinlicher Form: Die SPD-Führung erweckt damit im Endresultat den Eindruck einer Ansammlung von Weicheiern, die man ungestraft beleidigen und kränken kann.
Und die Mitglieder sind wie gelähmt, weil sie nichts dagegen unternehmen können, dass ihre Führung tagaus tagein als hilflose Ansammlung von Losertypen vorgeführt wird, mit denen dann „natürlich“ weder ihre Noch-Mitglieder noch ihre Anhänger im Lande etwas zu tun haben wollen!

EXKURS  vom 10. Juli 2016:

Sigmar Gabriel bestätigt zwölf Jahre später (= zu spät) meine Linie, wird aber ebenfalls nicht imstande sein, sie praktisch umzusetzen:

Gabriel und die SPD-Strategie 2016

These 9: Damit bin ich im Zentrum meiner Überlegungen angekommen: wenn ich die Zeichen der Zeit richtig deute, dann ist die SPD nicht primär wegen der „Inhalte“[4] ihrer Politik, sondern deshalb und solange in ihrer Existenz als Werte-, Mitglieder – und Volkspartei bedroht, wie sich ihr Führungspersonal – in Sonderheit der von ihr gestellte Kanzler – entwerten lässt.

Begründung: Wie hat es die CDU in den fünfziger Jahren so treffend formuliert: „Auf den Kanzler kommt es an!“ Und wie hat es Franz Müntefering 2004 so treffend formuliert: „der Kanzler ist erste Person, auch erste Repräsentationsfigur der SPD im öffentlichen Bewusstsein“.(Die ZEIT 13/2004) Wie kann man es dann seitens des SPD-Parteivorstands zulassen, dass dieser Kanzler entwertet wird, weiß man  doch seit 2000 Jahren, dass sich weder die Mitglieder noch die Wähler einer Partei mit einer Partei identifizieren können und wollen, deren Führungspersonal man das Image eines erbärmlichen und verachtenswürdigen Haufens von Pappnasen, Versagern und Abzockern verpasst hat! (z. B. die Kreuzigung Jesu in 32 oder die Gerd-Show in 2002)

Den Entwertern (CDUCSUFDP) mache ich keine Vorwürfe, wissen wir doch schon seit 140 Jahren, dass es geradezu normal ist, die Sozis als geborene Oppositionspartei zu deklarieren. Was mich hingegen entsetzt und empört ist, dass sich unsere Führung die persönlichkeitsverletzende Diffamierung gefallen lässt. Woher das kommt, fragst Du?

Ich behaupte, es ist die Unfähigkeit unseres Führungspersonals, auf die krassen Provokationen der vierten Gewalt – die sich in der Berliner Republik anmaßt, die wahren Interessen Deutschlands zu repräsentieren – in „angemessener Form zu reagieren“ oder – in meiner Begrifflichkeit formuliert – es ist die Unfähigkeit der SPD-Führungskräfte, im medialen Klassenkampf von Unionsparteien, Verbandslobbyisten und den Journalisten fast aller Massenmedien eine KAMPFKOMPETENZ an den Tag legen zu können, die endlich wieder sowohl den Wählern als auch unseren Mitgliedern RESPEKT abnötigen würde.

Diese Behauptung könnte ich an fünf Beispielen illustrieren:

Beispiel 1: Die Cohiba- und Haarfärbe-Chose von Schröder
Beispiel 2: Der Vorwurf handwerklicher Unfähigkeit
Beispiel 3: Der Steuersong und die Gerd-Show
Beispiel 4: Der Interview-Boykott der BILD-Zeitung
Beispiel 5: Der Kölner Karnevalswagen von 2003

These 10: Ich möchte jedoch die noch verbleibende Zeit lieber dafür nutzen, jene Anforderungen an die Führungskräfte unserer Partei zu skizzieren, die ich mit „Profilierung der persönlichen Kampfkompetenz“ auf den Begriff „ProfiProfil“ gebracht habe.

“KAMPFKOMPETENZ“ ist natürlich nichts neues.
Im PRINZIP geht es darum,
mit dieser QUALIFIKATION einen ERFOLG gegen WIDERSTAND erringen zu können.

Was sich hingegen geändert hat, das ist das Verständnis von „Erfolg“ – und – daraus abgeleitet, das Verständnis von „Qualifikation“, mittels derer man diesen Erfolg erringt.

Über die NEUE Kampfkompetenz verfügt nach meiner Definition nur derjenige, der

  1. sein  (zwangsläufig) dialektisches Handeln verständlich machen kann,
  2. dazulernen kann,
  3. existierende Gegensätze kundenorientiert  aufheben kann,
  4. Feindseligkeiten siegorientiert unterbinden kann!

Die neue Kampfkompetenz hat also sehr viel mit wissensbasiertem KÖNNEN zu tun!

Für einen PROFI mit diesem wirklichen ProfiProfil besteht Erfolg also nicht unbedingt in der Niederlage des Gegners, sondern primär im Zugewinn von Mehrwert, was sich vor allem darin erweist, dass der Profi die Schar seiner Feinde  (und die gibt es!!) verkleinert und klein hält, und dass er das Gros der Unentschiedenen und  Gegner /Skeptiker für fortschrittliche Ideen und Pläne zu gewinnen oder aber sie zu „neutralisieren“ versteht – und dies nicht nur kraft seiner Machtposition (als Kanzler, als Parteivorsitzender), sondern auch – und vor allem – dank seiner zugleich kunden- wie siegorientierten Kampfkompetenz!

These 11: Was heißt das? Ich behaupte: gerade in der „Berliner Republik“ braucht es Persönlichkeiten, die Sympathisanten, Skeptiker und Gegner auf professionelle Art und Weise für ihre Politik zu gewinnen verstehen, indem sie allen Bürgern reinen Wein einschenken, und zwar

1. durch eine siegorientierte Kritik des habgierigen Anspruchsdenkens, insbesondere der herrschenden Kreise des raffenden Kapitals,
2.
durch eine kundenorientierte Kritik der larmoyanten Opfer- und Selbstbedienungsmentalität sehr vieler Wähler – lerne jammern ohne wirklich zu leiden – darunter auch der meisten Sympathisanten,
3
.  durch eine wissenschaftliche Aufklärung über die Möglichkeiten und Grenzen sozialstaatlichen Handelns im 21. Jahrhundert, dass nämlich auch sozialdemokratische Reformpolitik gerade im globalisierten Kapitalismus gesetzmäßig zu Lasten der kleinen Leute gehen muss!

Der zu erwartende Gewinn/Mehrwert dieser Strategie der „politischen Willensbildung des Volkes“ (Art. 21 GG) besteht für mich darin, dass eine professionelle Kampfkompetenz eine Anziehungskraft erzeugen würde, die bewirkte, genau denjenigen, der den Wählern auch die Leviten liest, für glaubwürdiger und unterstützenswerter zu halten als denjenigen, der sich mit Versprechungen anbiedert oder sich von den herrschenden Kreisen instrumentalisieren lässt.

These 12: Gerhard Schröder besitzt zweifellos „Kampfkompetenz“, aber  es ist jene Version, die bei seinen inner – und außerparteilichen Gegnern  gesetzmäßig Abstoßungskräfte erzeugen / mobilisieren muss: statt über eine kundenorientierte Kritik und verbindliche Umgangsformen wird auch von Schröder – wie schon vor 3000 Jahren – versucht, Zustimmung durch Druck zu erzwingen, sei es durch die Androhung von Strafverfolgung, von Rücktritt, von Parteiausschluss, von Boykott etc..

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Auch ich bin der Auffassung, dass eine Führungskraft die Kraft besitzen muss, MACHT, die sie übertragen bekommen hat, auch auszuüben, doch in meiner Version von Kampfkompetenz sind Muskelspiele wirklich nur die ultima ratio – und dies aus einem ganz praktischen Grund: seit der Auflösung der Amtsautorität sind zumindest Eltern, Lehrer und Politiker nicht mehr durch ihren Status vor Diffamierungen geschützt.

Daraus folgt: insbesondere Eltern, Lehrer und Politiker müssen ihre BEZIEHUNGSKOMPETENZ auch dahingehend professionalisieren, dass sie selbst ihre „Menschenwürde“ vor Beleidigungen bzw. Kränkungen durch andere schützen können – und diese Kompetenz hat Gerhard Schröder bisher noch nicht demonstriert!

Belege? Blicken wir die letzten fünf Jahre zurück: da ist der Genosse Schröder vom politischen Gegner und von durchweg allen Medienarbeitern als Brioni-Angeber, Renten-Betrüger und Vorsitzenden-Versager aufgebaut und dadurch systematisch als Persönlichkeit, genauer noch: als Vorbild entwertet worden.

Meine Kritik am Gerhard Schröder läuft also darauf hinaus, dass er sich das hat gefallen lassen, dass er nicht qualifiziert gewesen ist, auf vorbildliche Art und Weise (These 11)

1. die Plappernde Kaste (durch Journalisten-Bashing z. B.) in die Schranken zu weisen,
2. uns – wie einstens Willy Brandt – mit seiner Kampfkompetenz anzustecken und dadurch
3. die Wähler und Mitglieder der SPD aus der von den medialen Klassenkämpfern erzeugten     Identitätskrise heraus zu holen.

Mehr dazu im Nachtrag 2005!

These 13: Meine vorrangige Erwartung an die Führungskräfte der SPD ist die, dass sie nunmehr alles daran setzen, für sich persönlich diese NEUE Kampfkompetenz zu entwickeln bzw. vorbildlich zu praktizieren.

Dies ist nicht nur erforderlich, um sich der Vorwürfe, Diskriminierungen, Beleidigungen und Kränkungen erwehren zu können, sondern es ist vor allem auch deshalb erforderlich, um sich als Person die Ehrerbietung und den RESPEKT zu verschaffen, ohne die man als Führungskraft nicht erfolgreich agieren kann.

Oder sollte sich das eingangs zitierte Mantra: die SPD ist eine Werte-, Mitglieder- und Volkpartei als bedeutungslose Sprechblase erweisen, weil man selbst keinen Wert darauf legt, als Person nicht entwertet zu werden?!

Ich erwarte von unseren Führungskräften in diesem (für die NRWSPD) entscheidenden Wahljahr 2005, dass sie uns, wie Willy Brandt im Jahr der Entscheidung 1972, endlich vormachen, wie man in die medialen Klassenkämpfe des 21. Jahrhunderts hineingehen muss, um als Wahl-Gewinner aus ihnen hervorzugehen – und nicht noch weitere 13 Mal als Bettvorleger zu landen!

Prognose: Gelingt das in diesem Jahr nicht, dann ist der Niedergang unserer Partei als Mitgliederorganisation nur noch durch ein Wunder aufzuhalten.

(Ende des Vortrags vor der AG 60+ in Bonn-Süd am 31. 03. 2004….)

Nachtrag vom 21. April 2016, also 12 Jahre später: Es hat sich nichts verändert, jedenfalls nichts zum Guten für die „Volksparteien“. Der Hauptgrund: sie machen keine Politik mehr, verwalten das Bestehende und werden dementsprechend nur noch von Karrieristen als interessant erachtet. Heir eine kompetetente Aussage aus Baden-Württemberg:

Karrieristen


[1] Nachtrag 2009: es bestand zwar auch in der AG 60+ – wie selbstredend im gesamten Ortsverein Bonn – absolut kein Interesse an der Erörterung meiner Expertise, aber diese AG konnte sich deshalb nicht gegen meinen Vortrag wehren, da ich zu der Zeit ihr stellvertretender Vorsitzender gewesen war…… (Machtposition ausgenutzt!) Die einzige Reaktion der Uraltgenossen war übrigens die Empörung darüber, dass ich G. Schröder in der Diskussion aus den oben referierten Gründen u. a. auch als „Piefke“ karikiert hatte….! 2004!

[2] Ich nenne hier als Beispiele nur die Globalisierung des kapitalistischen Wirtschaftssystems, die Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums im wiedervereinigten Deutschland, die Überschuldung der öffentlichen Haushalte und eine ganze Reihe von weiteren Kostenfaktoren“ wie Löhne und Gehälter, Lohnnebenkosten, Ausgaben für das Gesundheitswesen, die Renten etc..

[3] Im übrigen ist es die Parteiführung selber, die eklatante Vermittlungsprobleme zugibt, wobei die Frage offen bleibt, ob sie das selbe meint wie ich!

[4] Der Beleg für diese These: 48 % aller Befragten würden momentan die Unionsparteien wählen, obgleich deren Politik sich inhaltlich nicht von der der SPD unterscheidet.

[1]

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Eine Antwort zu Zur Zukunft der SPD als Mitgliederorganisation

  1. profiprofil schreibt:

    Acht Monate später hat sich meine Kritik herumgesprochen:

    29. Mai 2010, 15:06 Uhr
    Mitgliederbefragung
    SPD-Basis stellt Parteispitze miserables Zeugnis aus

    Berlin – Die SPD profitiert vom Koalitionsstreit, in Umfragen punktet sie, in Nordrhein-Westfalen könnte sie bald mitregieren. Dennoch beurteilt die Basis die Arbeit ihrer Partei sehr kritisch. Sieben Monate nach der Bundestagswahl arbeiten die Ortsvereine die verheerende Wahlschlappe auf.

    (…)
    Im Wahlkampf gab es nichts Positives

    Auf die Frage, was im Wahlkampf besonders positiv gewesen sei, verzeichneten die Auswerter als häufigste Antwort „nichts“, Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier wurde nur „gelegentlich“ genannt. Als besonders negativ wurden die „fehlende Mobilisierung“ und der „Zustand der Bundes-SPD“ empfunden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,697504,00.html

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