Profiteure der militärischen „Opfermentalität“

Ich bewundere – auch dadurch meinem Grundsatz „lobe Deinen professionellen Nächsten wie Dich selbst“ entsprechend – den SZ-Redakteur Gustav Seibt eigentlich wegen jeder seiner Veröffentlichungen, so auch wegen seiner Laudatio des Buchs „Kriegsbraut“ von Dirk Kurbjuweit, erachte ich ihn doch für einen Mann mit sowohl der Fähigkeit als auch – was Seltenheitswert besitzt – dem Willen zum Wirklich-Denken-Koennen.de, kurz: für kongenial.

Dass ich heute seinen „Die Frau, die sich traut“ übergetitelten Beitrag auf meine denk- und merkwürdige Art und Weise kritisiere, dieses Geschenk also hat er sich redlich verdient, verdanke ich ihm doch ebenfalls eine Reihe von Denkanstößen, wie z. B. auch das Aussprechen dieses – gemeinhin nachhaltig tabuisierten – WIDERSPRUCHs:

Keine politische Entscheidung der letzten Jahre, nicht einmal Hartz IV, ist bei den Deutschen so unbeliebt wie der Einsatz in Afghanistan. Doch der überwältigenden Ablehnung in den Umfragen – regelmäßig um die zwei Drittel der Befragten – entspricht bisher kein Straßenbild: Anders als bei früheren Kriegen, Vietnam, Irak, anders als bei der Nachrüstung von 1983, fehlen die protestierenden Massen. Und der Verteidigungsminister, der sich zu diesem „Krieg“ offensiv bekannt hat wie keiner seiner Vorgänger, wurde zum beliebtesten Politiker dieser Jahre.

Es ist also genau dieser WIDERSPRUCH, an dessen Verstehen und Kommunizieren  ich existentiell interessiert bin, wobei ich Seibts Besprechung nicht nur zum Anlass dieser Erörterung nehme, sondern sie selbst auch zum Gegenstand der Analyse mache, ist in ihr doch viel schon von der Antwort auf die

Schlüssel-Frage enthalten, wie das denn so zusammengeht:
die öffentliche „Ablehnung“ von Krieg als Mittel der Politik
bei gleichzeitiger Bewunderung eines Politikers,
der (sich) genau in seiner Rolle als Kriegsminister, präziser gesagt: als WAR-LORD,
sein „ProfiProfil“ generiert hat?

Wovon ich spreche? Nun, da meine feindliche Einstellung zum Out-of-area-Einsatz der US-Administration und ihrer Heloten von mir umfassend, professionell und deshalb auch bisher unwiderlegt (weil unwiderleglich) begründet worden ist, kann ich mich hier auf die Erörterung meiner These konzentrieren, derzufolge die Qualität der volkstümlichen „Ablehnung“ jenes vom Imperium generierten „Kriegs gegen den Terrorismus“ offensichtlich darauf basiert, dass die „überwältigende“ Mehrheit der Deutschen weiß/ahnt/fühlt, dass ein Krieg nur Kosten verursachen, also keinen Gewinn abwerfen kann, und zwar sowohl materiell wie ideell nicht! Dass Krieg also – vom politisch-ökonomischen Standpunkt eines Arbeitnehmers und seiner Angehörigen aus gesehen – mehr als kontraproduktiv ist, indem er seine persönliche Abzocke generiert?!

Doch so, wie´s jeder weiß, dass Rauchen „gesundheitsgefährdend“ ist oder dass man auch im Straßenverkehr vor seiner Zeit das Zeitliche segnen kann, so also wird ganz augenscheinlich vom Wahlbürger auch das Verbrecherische eines Krieges quasi fatalistisch ertragen, getreu der Maxime des OPFERMENTALITÄTERs: „Macht doch was ihr wollt, ihr macht ja mit mir/uns  sowieso, was ihr wollt!“ Eine Meinung, die im übrigen existentiell begründet ist, sind doch die eigene Resignation und das politische Ohnmachtsgefühl keine individuelle Einbildung, sondern das Resultat eines Sozialisationsprozesses, der mit Bedacht und Umsicht Resignation als herrschaftsstabilisierende Einstellung massenhaft abliefert, die wiederum eine Haltung generiert (!), die von mir mit OPFERMENTALITÄT auf den Begriff gebracht worden ist, als deren einfachstes Erkennungsmerkmal das hier zitierte jämmerliche Selbstmitleid gilt.

Die viel beklagte „Ohne-Michel-Haltung“ unserer „Egal-Gesellschaft“ ist also das Resultat eines jahrzentewährenden Entpolitisierungsprozesses, dessen Früchte jetzt von ihren Profiteuren geerntet werden können. Gustav Seibt streift dieses Phänomen z. B. mit folgendem Hinweis auf Dirk Kurbjuweit, der es „falsch“ gefunden habe,

dass der Afghanistan-Krieg nie Wahlkampf-Thema wurde, dass also die Bürger bisher nicht abstimmen konnten und auch die Oppositionsparteien, außer der Linkspartei (immerhin!), nicht mehr richtig Farbe bekennen mussten.

„Falsch“ in diesem Zusammenhang ist genau so eine verniedlichende – sorry: volksverarschende – Kategorie für das Resultat einer – in Wirklichkeit – konzertierten Aktion aller staatstragenden Parteien des Bundestags, die den vom 2. Senat des BVerfG in 2007 ausgestellten Persilschein für den „Verfassungsbruch“ – das Grundgesetz wurde ja aus den gleich Gründen auch nicht als Verfassung zur Abstimmung gestellt –  stillschweigend übernommen zu haben! Eine Sauerei sonder gleichen.

Nach Aussage von Gustav Seibt habe sich auch Dirk Kurbjuweit selbst auf den Standpunkt gestellt, „dass es (!)  in Afghanistan vorerst ohne westliche Soldaten nicht“ gehe, womit Kurjuweit wirklich falsch“ liegt und womit Seibt genau den Mechanismus illustriert, wenn er – den wirklichen Kriegsgrund dadurch nachhaltig verschleiernd – dieses inhaltsleere „Es“ benutzt, und „es“ mit diesem raffinierten Satz, den er später einmal als verkappte Widerstandshaltung deuten dürfte, „kritisch“ auflädt:

Die deutschen Soldaten sollen nämlich das sichern, was ein vorrangiger offizieller Kriegsgrund ist: den Schulbesuch von Mädchen.

Let´s laugh, Kriegsbraut, meint doch dieser „vorrangig offizielle“ Kriegsgrund „vorgeschobener“, „nicht wirklicher“ Kriegsgrund, was er in Wirklichkeit ja auch ist – doch es ist genau diese kokettierende pseudo-ironische Formulierung, die vielleicht in der Wochenzeitung DAS REICH als „innere Emigration“, als „Distanzierung“, als „mentaler Vorbehalt“ etc. durchgegangen wäre, nicht aber heute gegenüber dieser grundgesetzwidrigen „Landesverteidigung am Hindukusch“ (Struck) durchgehen darf und durchgehen wird, Gustav Seibt!

Nein: es ist genau diese seine – Seibts – „Toleranz“ gegenüber diesem Kriegs-Verbrechen namens Krieg, deren Auswirkung heute als „repressiv“ (H. Marcuse) bewertet werden muss – und deren Analyse nun auch in der Causa Guttenberg die Qualität der völkischen Bewunderung jenes früh vollendeten Blenders, Täuschers, Lügners überhaupt verstehen hilft.

Mission accomplished

Wenden wir uns also jetzt diesem zweiten Phänomen zu, dem „Geheimnis“ der „Beliebtheit“ jenes Sendboten des Imperiums, der – mit Flankenschutz und unter dem Trommelfeuer der publizistischen Heerscharen – seinen Auftrag erfüllt hat:

„Popularisiere KRIEG als „normales“ Mittel  zukünftiger deutscher Politik,
indem Du Dich zum „netten“ WAR-LORD stilisierst,
denn nach Deiner Pfeife werden sie tanzen!“

Dieser Auftrag ist nun realisiert worden …

Seiner Beliebtheit im Volk hat der Skandal um die teils abgekupferten Doktorarbeit ohnehin nicht geschadet. Im ARD-Deutschlandtrend gewann Guttenberg sogar an Zustimmung: 73 Prozent der Befragten waren zufrieden mit seiner Arbeit, fünf Punkte mehr als im Vormonat.

…. weshalb es genau dieser WIDERSPRUCH wäre, dessen Verstehen uns zentral beschäftigen müsste: 73 % lehnen einen Krieg ab, dessen Popularisierung in Theorie und Praxis das Zentrum „der Arbeit“ jenes Mannes ausgemacht hat, der von seinem Nachfolger heute Nacht mit folgender Rede „in Schutz“ (sic) genommen worden ist:

De Maizière würdigte die Verdienste Guttenbergs um das Ansehen der Bundeswehr sowie um eine realistische (!) Einschätzungdes Einsatzes in Afghanistan. Nur wenn die Öffentlichkeit der Wahrheit ins Auge sehe, könne Zustimmung zu den Auslandseinsätzen errungen werden. Zur Wahrheit gehöre es heute zu sagen: ‚Die Soldaten der Bundeswehr müssen kämpfen können, um nicht sterben zu müssen.‘ (SZ vom 11. 3. 2011)

Neben der Tatsache, dass de Maiziere damit indirekt zugibt, Guttenbergs Vorgänger hätten das Volk verarscht, mache ich hier aufmerksam auf  die Masche von der Popularisierung der „notwendigen“ Militarisierung der deutschen Außenpolitik: „nur wenn die Öffentlichkeit der Wahrheit“ ins Auge sehe, könne Zustimmung zu den Auslandseinsätzen errungen werden.“ De Maiziere wörtlich: „«Zustimmung zu den Einsätzen kann nur mit der Wahrheit (sic) errungen werden».

Ein Krieg oder eine Kriegsführung ist genau so wenig „wahr“ wie das Überqueren einer Straße, ist doch Wahrheit lediglich die Eigenschaft einer Aussage über eine Tatsache, über einen persönlich hergestellten Zusammenhang, über eine Wahrnehmung, eine Erkenntnis, über ein Erlebnis! Und eine jede Aussage basiert immer und ausschließlich auf Interessen, und zwar nicht vorwiegend auf Erkenntnisinteressen, sondern primär, also in erster Linie auf Geschäftsinteressen.

Ausgehend davon, dass eine interessierte „Wahrheit“ immer  auch eine (Klassen)Standpunktfrage, also  immer relativ – „wahr“ in Beziehung zu irgendwas oder irgendwen ist, muss hier also gefragt werden nach der geschäftsinteressierten  „Wahrheit“ der Profiteure dieses deutschen Verbrechens gegen die Menschlichkeit namens „Afghanistankrieg“, ist doch  die von de Maiziere gelobte Umfunktionierung der Bundeswehr in eine Fremdenlegion des Imperiums durch Guttenberg die materielle Grundlage für eben diese Aushebelung des Grundgesetzes, und ist deshalb also in dieser Staatszapfenstreich-Nacht dieses Lob die  Absolution des ehemaligen Kriegsministers durch den ehemaligen Verfassungsminister gewesen:

Das Aussetzen der Wehrpflicht nannte de Maizière einen «historischen Schritt», der vor allem das Verdienst Guttenbergs sei. Er habe den Weg für die Bundeswehrreform bereitet und sich mit ganzer Kraft der Neuausrichtung der Streitkräfte angenommen.

Neuausrichtung der Streitkräfte“, konkret gesagt: ihre Aufhebung als verfassungsmäßiges Organ der Landesverteidigung und ihre Instrumentalisierung für die Sicherung der weltweitern Vorherrschaft des US-Dollars – verschämt „Globalisierung“ genannt – als Leitwährung einer Nation, die mit ihrem way of life auch zukünftig auf Kosten der Natur und anderer Nationen/Menschen leben will und muss, für genau dieses Schurkenstückchen also wird der Mohr zapfenstreichartig „geehrt“ (Ehre!), ehe er ins Glied zurücktreten und sich auf seine nächste Mission vorbereiten kann (s. Epilog).

Doch zurück zum Thema: welches ProfiProfil zeichnete für die besinnungslose „Beliebtheit“ dieses – in James-Dean-Manier auf- und von der Bühne abgetretenen – Mannes verantwortlich: war es primär seine „adelige“ Herkunft, seine „vorzeigbare“ Familie, seine „eloquente“ Redeweise, wie allenthalben geredet wird.

Das auch, aber diese Äußerlichkeiten können nicht im Entferntesten das Potential gerade dieses Amtes ersetzen, welches zwar nicht als „Verteidigungsministerium“  (von allen anderen Ministerien ganz zu schweigen), wohl aber als KRIEGSMINISTERIUM sich demjenigen eröffnet, der es macchiavellistisch zu nutzen weiß. Und – Chapeau! –  Herr Guttenberg wusste es zu nutzen, weitaus professioneller als alle seine Vorgänger  (doch nicht besser als sein Nachfolger[1], um diese Prognose hier auch schon einmal aktenkundig zu machen!)

Worin nun besteht der Witz, ein solches Image zu generieren (hoppla, schon wieder dieses schöne „schöpferisch“ angehauchte Wort!)? Na: wissen Sie´s? Ich vermute: NEIN! Also bitte weiter lesen und meine Argumente unter dem Aspekt bedenken, wie und womit sie widerlegt werden könnten?! Ich bäte dann um Rückmeldung: weghorn@kampfkompetenz.de ! Hier meine These:

Spiel mir das Lied vom Tod

Wer Italo-Western liebt, der kennt den Streifen, und er gefällt insbesondere all jenen EGOSHOOTERN, die in ihrem Kindheits-Ich eine Traumatisierung erlitten haben und diese nun in einer Machtposition, die sie sich durch Beziehungs-, Führungs- und Kampfkompetenz wie auch immer ergattert haben, auszuleben gedenken – und von dieser Gattung seelischer Einzelkinder gibt es immer mehr, so dass es sich als Führungskraft auszahlt, sich in einem Amt mit Nimbuspotential auch ins entsprechende Outfit (z. B. Helm und schusssichere Weste)  zu werfen.

Guttenberg hat dieses Potential erkannt und genutzt, indem er von sich als Egoshooter reden gemacht hatICH allein gegen all die anderen um mich herum, all die Flitschpiepen, denen das Hemd näher ist als der Rock, von den AC/DC-Rockproduzenten ganz zu schweigen.

Da er aber in der Rolle eines Egoshooters, eines Karrieristen also, der – wie man es zwar treffend, aber eben nur metaphorisch daherplappert – über Leichen geht, da man also in der Rolle eines Karrieristen kein Alleinstellungsmerkmal generieren  kann, hat der Zögling des Imperiums sich vom BMWi in das Amt versetzen lassen, für das er vom Pentagon auch bestimmt gewesen ist:  in das damals noch Ministerium der „Verteidigung Deutschlands am Hindukusch“ und am Horn von Afrika benannte heutige Kriegsministerium.[2]

Leichen pflastern seinen Weg

Guttenbergs Karrieresprung geht einher mit seiner Idolisierung zur Leitfigur des „Politikers neuer Art“ , die aber – und das ist meine Kernthese! –  nur dadurch erfolgen, dass er nicht nur metaphorisch, sondern wirklich über Leichen gehen konnte, genauer gesagt: sie nach Hause und dort dann – quasi persönlich: musste „ich …. die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe tragen“ – unter die Erde bringen konnte, mit allem Brimborium natürlich, das die stets segnenden, ja geradezu willigen Staatskirchen bei uns hier zuwege bringen, von den massenmedialen Zentralorganen des raffenden Kapitals ganz zu schweigen.

Die Stilisierung als Krieger ist nur in der  Wirklichkeit des Deutschlands nach 1945 das eines „Politikers neuer Art“. Historisch gesehen jedenfalls ist die Erfindung des Kriegers –  der ja als Räuber/Raubritter etc.  nichts als einen Sonderfall des Jägers darstellt,  der halt Menschen tötet  – neben der des Priesters/Medizimannes  die älteste Geschäftsidee des männlichen Teils der Menschheit überhaupt, eine These, die sich jedem augenblicklich erschließt, der einem pubertierenden Knaben beim Computerspielen zuschaut. Und es war Guttenberg, der  Ur-Enkel eines Raubritters, der sie wieder aus der Tabukiste hervorgeholt hat, indem er dessen wichtigsten Akteur – den Sensenmann – beim Namen genannt, also – messianisch gesprochen – hat auferstehen lassen!

Der von ihm kess reanimierte deutschnationale  TOTENKULT als Heldengedenkfeier also – mit der Verleihung der „Gefechtsmedaille“ und all dem Zinnober – ist für „unseren“ deutschen Michel-OPFERMENTALITÄTER an Händi, Herd und Hobelbank zur unwiderstehlichen „Legitimation“ für den Führer-Status des zu Guttenbergs geworden, und damit zu DER Erklärung des oben behaupteten mentalen WIDERSPRUCHs im Volke zwischen der Ablehnung des „Krieges“ einerseits und der Bewunderung seines Wiederentdeckers und Vorantreibers andererseits, eines Widerspruchs also, durch dessen einseitig-militaristische Auflösung das deutsche Kanonenfutter allein im letzten Jahrhundert – seinem Skript entsprechend – schon zwei Mal vom Täter zum Opfer gemacht worden ist.

Diese Mystifizierung jener 44 in Afghanistan krepierten niederen Dienstgrade – mir ist nicht bekannt, dass es dort jemals einen der Profiteure des Afghanistankrieges erwischt hätte, die also, die im Rang eines Offiziers dort Gefahren-, Trennungs- und Auslandszulagen abschöpfen, oder?! – diese Mystifizierung der qualvoll verendeten Frontschweine (Selbstverständnis der Landser) zu „Gefallenen“ und die damit verbundenen obszönen Totenfeiern habe ich vor Jahresfrist schon gegeißelt und genau sie als die Masche des Blenders dargestellt, die ihn vom Ruch des Gegeelten in den Rang des Gesalbten erhoben hat, der gar nicht mehr das jus primae noctae, sondern direkt die ideelle  „Kriegsbraut“ als solche für sich beanspruchen darf, hat er doch auch dem Dirk Kurbjuweit und dem Gustav Seibt die Möglichkeit eröffnet, von seinem „Krieg“ – seiner „ehrenhaften Wahrheitsbekundung“ ( de Maiziere) –  zu profitieren. Weidmanns Heil, die Herrschaften Großgrundbesitzer! Beweise?!

Originalton Gutsherr zu Guttenberg aus seiner Abschiedsrede im „Bendler Block“ (Widerstandskämpferassoziation):

Manche mögen sich fragen, weshalb ich erst heute zurücktrete. Zunächst ein möglicherweise für manche unbefriedigender, aber allzu menschlicher Grund: Wohl niemand wird leicht, geschweige denn leichtfertig, das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt. Ein Amt, das Verantwortung für viele Menschen und deren Leben beinhaltet.

Da ist sie, die Offenbarung seines Selbstverständnisses: er ist  so „menschlich“ wie ich und du – ich schummele, ich hänge an meinem Job –  doch er  „trägt“ – und das unterscheidet mich allerdings von all den Karrieristen – „Verantwortung“, ein zwar ganz butterweicher, aber sehr väterlich-fürsorglich klingender Begriff – und zwar „Verantwortung“ für nichts Geringeres als „das Leben“ von Menschen. Und einige Sätze weiter liefert er selbst die Bestätigung meiner These von der Bedeutung der „Gefallenen“ für seinen Nimbus als fürsorglicher HeerZog:

Nachdem dieser Tage viel über Anstand diskutiert wurde, war es für mich gerade eine Frage des Anstandes, zunächst die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe zu tragen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debatten über meine Person überlagern zu lassen. Es war auch ein Gebot der Verantwortung gegenüber diesen, ja gegenüber allen Soldaten.

Die Berufung auf den eigenen „Anstand“ ist vorzugsweise als ein obszönes Mittel der Verschleierung von Untaten gebraucht worden, haben  doch auch die schlimmsten Verbrecher in der deutschen Geschichte  genau diesen Begriff bemüht , um sich „vor der Geschichte“ als Sauber- und Ehrenmänner darzustellen; will sagen: das Gerede von „Anstand“, von „Würde“,von „Gedenken“ und von „Verantwortung“ aus dem Munde eines Betrügers, das sollte doch zumindest jenem zu denken geben, der wirklich denken kann.

Ich habe dazu im 10. Gespräch meines  DialogBuchs Denkanstöße gegeben, die ihresgleichen suchen und  ihrerseits noch der kritischen Würdigung harren.

Epilog

Erst kommt der Guttenberg: „Ich melde mich ab!“
Und jetzt noch der Weghorn: „Weidmanns Dank!“


[1] Man merke sich diesen Satz aus der Laudatio des Neuen auf den Alten: ‚Die Soldaten der Bundeswehr müssen kämpfen können, um nicht sterben zu müssen“, der schwachsinnig und scheinbar deplaziert ist, der aber in Wirklichkeit den Fingerzeig des Allmächtigen transportiert: mit dem Sterbenswörtchen nämlich hat sich de Maiziere am ersten Diensttag schon (und ganz bewusst)  in die Adels-Erfolgslinie seines Vorgängers eingelinkt, weiß doch auch er um den Nimbus des Lehn- und Kriegsherren beim deutschen Spießer , der aus dessen Untertanenmentalität von „Gala“ und  „Goldenem Blatt“ ins 21. Jahrhundert transskribiert worden ist: DAS Thema! „Schwachsinnig“ deshalb, weil man das Sterben von Soldaten viel besser dadurch vermeiden könnte, indem man diesen Berufstand abschaffte. Außerdem ist die Verkürzung der Debatte der Legitimität von Krieg als Mittel der Politik auf das Personalproblem Verringerung von Verwundung und Tod von Zivilisten und Soldaten ein Ablenkungsmanöver

[2] Es war – das darf bei all dem Gedöhne nie vergessen werden – das rotgrüne Flitschpiependuo Schröder/Fischer gewesen, welches der von langer Hand geplanten Umfunktionierung der Bundeswehr durch das Imperium am 24./25. April 1999 keinen Widerstand entgegegesetzt hatte, und es war der Bundestag (und auch hier, wie 1914,  die SPD-Führung wieder mal ganz vorne dran), der sich vom 2. Senat des BVerfG in 2007 mehrheitlich den Bären von der Verfassungskonformität des Afghanistankriegs hat aufbinden, sich also vom Imperium hat einkaufen/erpressen lassen!

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